{"id":1027,"date":"2020-08-24T10:02:33","date_gmt":"2020-08-24T10:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1027"},"modified":"2020-08-24T14:06:10","modified_gmt":"2020-08-24T14:06:10","slug":"keine-ruhe-auf-dem-dach-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1027","title":{"rendered":"Keine Ruhe auf dem Dach der Welt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Keine Ruhe auf dem Dach der Welt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>von Kai M\u00fcller, International Campaign for Tibet, <a href=\"http:\/\/www.savetibet.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.savetibet.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Trotz 70 Jahren Besetzung: Tibeter wehren sich gegen Peking. Die KP antwortet mit noch mehr Repression, \u00dcberwachung und Assimilationspolitik \u2013 mit Konsequenzen aus Europa muss sie noch nicht rechnen<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"266\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_bild3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1030\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_bild3.jpg 533w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_bild3-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption>Tibetische M\u00f6nche aus dem Kloster Ganden Jampa Ling in Chamdo m\u00fcssen eine Propagandadarbietung aus Anlass des 70. Gr\u00fcndungstages der Volksrepublik China zeigen, Oktober 2019. Quelle: staatliche chinesische Medien.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWir wollen absolute Loyalit\u00e4t\u201c, was der Parteisekret\u00e4r der \u201eAutonomen Region Tibet\u201c <a href=\"https:\/\/savetibet.org\/china-political-meetings-focus-on-strengthening-control-in-tibet\/\">Wu Yingjie<\/a> im Mai dieses Jahres sagte und was nach erwartbarer Rhetorik von Vertretern autorit\u00e4rer Staaten klingt, ist \u00fcberaus bemerkenswert. Warum bedarf es nach fast 70 Jahren uneingeschr\u00e4nkter Herrschaft \u00fcber Tibet einer solchen Mahnung? Ist Tibet nicht kurz nach Gr\u00fcndung der Volksrepublik von Maos Armee, also sp\u00e4testens 1950 besetzt und mit der Flucht des Dalai Lama 1959 vollst\u00e4ndig unterworfen worden?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Worte Wus sind nicht blo\u00dfe Rhetorik, sondern stehen f\u00fcr ein tief sitzendes Misstrauen Pekings in die Tibeter. Umgekehrt genie\u00dft die Herrschaft Pekings bei der Mehrheit der Tibeter offenbar keine Legitimit\u00e4t. Die KP reagiert darauf mit noch mehr Kontrolle. Teil dieser Bem\u00fchungen ist die Assimilierung \u2013 \u201eSinisierung\u201c \u2013&nbsp; und damit Zerst\u00f6rung authentischer tibetischer Kultur, mit verheerenden Folgen f\u00fcr jede einzelne Tibeterin und jeden einzelnen Tibeter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberwachung und Kontrolle in \u00d6ffentlichkeit und Kl\u00f6stern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Architekt von \u00dcberwachung und Kontrolle in Tibet heute ist KP-Sekret\u00e4r Chen Quanguo, der 2016 mit der F\u00fchrung der Autonomen Region Xinjiang betraut wurde, offenbar weil er sich aus Sicht der Partei Verdienste in Tibet erworben hatte. Chen war dort von 2011 bis 2016 allm\u00e4chtiger Parteisekret\u00e4r. Seine Markenzeichen in Tibet unter anderem: die Einf\u00fchrung von \u201ebequemen Polizeiwachen\u201c, die in den urbanen Zentren Tibets systematisch in Rastern angeordnet wurden. Bis Ende 2016 wurden mehr als 700 dieser Wachen eingerichtet, die basierend auf einer l\u00fcckenlosen elektronischen \u00dcberwachung ein schnelles Eingreifen erlauben. In seine Zeit in Tibet f\u00e4llt ebenfalls das Programm \u201eN\u00fctze den Massen\u201c, das bis heute die Entsendung von Zehntausenden von Kadern der KP in die St\u00e4dte und D\u00f6rfer Tibets vorsieht, um die Politik der Kommunistischen Partei zu verbreiten und um sich mit den Menschen, wie es in der Rhetorik der KP hei\u00dft, \u201eanzufreunden\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die KP verlangt unterdessen von tibetischen M\u00f6nchen und Nonnen in Tibet, die Propaganda der Regierung und der KP zu verbreiten. Im Rahmen der Politik zur \u201eSinisierung&#8220; der Religion zwingt die Regierung M\u00f6nche und Nonnen, sich einer politischen Ausbildung zu unterziehen. Im Rahmen der 2018 in der \u201eAutonomen Region Tibet\u201c eingef\u00fchrten \u201eVier Standards&#8220;-Politik m\u00fcssen M\u00f6nche und Nonnen \u2013 abgesehen von der Kompetenz in buddhistischen Studien \u2013 &#8222;politische Verl\u00e4sslichkeit&#8220;, \u201emoralische Integrit\u00e4t, die die \u00d6ffentlichkeit beeindrucken kann&#8220; und die Bereitschaft, \u201ein kritischen Momenten eine aktive Rolle zu spielen&#8220;, unter Beweis stellen. In der Folge m\u00fcssen sie sich bereit erkl\u00e4ren, jegliche Proteste gegen die staatliche Politik zu verhindern oder zu stoppen. Die Linientreue der M\u00f6nche und Nonnen in den buddhistischen Kl\u00f6stern wird unterdessen \u00fcberwacht von Parteikadern und Polizei, deren Wachen mitunter in den Kl\u00f6stern selbst errichtet wurden. Eine umfassende Gesetzgebung zur Religionsaus\u00fcbung garantiert dem Staat \u00fcberdies weitreichenden Einfluss auf den tibetischen Buddhismus, der damit seine Authentizit\u00e4t zu verlieren droht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sprache und Identit\u00e4t bedroht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von ebenso zentraler Bedeutung f\u00fcr die Kultur der Tibeter ist die tibetische Sprache. Seit den 1990er Jahren hat es in den Schulen Tibets eine deutliche Verlagerung vom tibetischsprachigen Unterricht hin zum chinesischsprachigen Unterricht gegeben. Die schulischen Lehrpl\u00e4ne unterscheiden sich von der tibetischen Kultur in der Denkweise, im emotionalen Ausdruck und in der Werteorientierung, und sie enthalten auch Elemente, die in der traditionellen Kultur nicht vorhanden sind, was es schwierig macht, Schulwissen zu verstehen und zu lernen. Zu bef\u00fcrchten ist eine Degradierung des Tibetischen auf eine Umgangssprache, die allm\u00e4hlich aus dem \u00f6ffentlichen Leben verschwindet. Versuche von Aktivisten, wie etwa des Tibeters Tashi Wangchuk, die tibetische Sprache im \u00f6ffentlichen Leben einzufordern, werden kriminalisiert und verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rigorose Abschottung Tibets<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"754\" height=\"392\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Ngaba_2008_05.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1028\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Ngaba_2008_05.jpg 754w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Ngaba_2008_05-300x156.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 754px) 100vw, 754px\" \/><figcaption>M\u00f6nche werden aus dem Kloster Kirti in Ngaba, abgef\u00fchrt, in Reaktion auf Proteste, die von diesem bedeutenden Kloster in Osttibet 2008 ausgingen. Quelle: ICT.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf Jahrzehnte internationaler Aufmerksamkeit f\u00fcr die systematischen Menschenrechtsverletzungen und die politische Situation in Tibet hat Peking mit rigoroser Abschottung reagiert. So haben UNO-Experten, Diplomaten, Parlamentarier, Journalisten und NGOs keinen freien Zugang nach Tibet, so dass die systematischen Menschenrechtsverletzungen Pekings nicht ans Licht kommen. Wenn es doch zu Reisen kommt, dann werden den Besuchern Potemkinsche D\u00f6rfer und Tibeter vorgef\u00fchrt, die nicht frei sprechen k\u00f6nnen. Dies hat zur Folge, dass etwa nur wenige Einzelf\u00e4lle verfolgter Tibeter nach au\u00dfen dringen, wie etwa die folgenden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der M\u00f6nch <a href=\"https:\/\/savetibet.de\/pressemitteilungen\/tibetischer-moench-stirbt-nach-folter-in-haft-chinesische-behoerden-verweigerten-angemessene-medizinische-behandlung\/\">Choekyi<\/a> stirbt an Folter nach vierj\u00e4hriger Haft, ebenso der M\u00f6nch <a href=\"https:\/\/www.rfa.org\/english\/news\/tibet\/gendun-sherab-04242020150923.html?fbclid=IwAR0UKofl5L3Q7dYWkYEjFSkfUtkHJc5e1QU3_kDRZ-N6uk1-lyoaXjkApdQ\">Sherab<\/a> nach Folter in Haft und Verweigerung medizinischer Behandlung.<\/li><li>Vierzehn Jahre Haft f\u00fcr den M\u00f6nch <a href=\"https:\/\/savetibet.de\/pressemitteilungen\/19-07-2019-tibet-un-experten-verlangen-von-peking-auskunft-ueber-zu-langen-haftstrafen-verurteilte-tibeter-haftgrund-geburtstagsfeiern-fuer-den-dalai-lama\/\">Drugdra<\/a> wegen Geburtstagsfeiern f\u00fcr den Dalai Lama, acht weitere Tibeter erhalten ebenfalls hohe Gef\u00e4ngnisstrafen.<\/li><li>Sieben Jahre Haft f\u00fcr den Anti-Korruptionsaktivisten <a href=\"https:\/\/savetibet.de\/pressemitteilungen\/ict-china-muss-tibetischen-antikorruptions-aktivisten-sofort-freilassen-chinesisches-gericht-lehnt-berufung-von-anya-sengdra-ab\/\">Anya Sengdra<\/a>.&nbsp;<\/li><li>F\u00fcnf Jahre Haft f\u00fcr den Sprachaktivisten <a href=\"https:\/\/savetibet.de\/pressemitteilungen\/23-08-2018\/\">Tashi Wangchuk<\/a><\/li><li>Vier Jahre Haft f\u00fcr den Tibeter <a href=\"https:\/\/savetibet.de\/pressemitteilungen\/17-06-2019\/\">Wangchen<\/a> f\u00fcr Rufe nach Freiheit f\u00fcr den entf\u00fchrten Panchen Lama.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Krisen ohne Konsequenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"740\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Military-in-Lhasa-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1029\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Military-in-Lhasa-3.jpg 768w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/thumbnail_Military-in-Lhasa-3-300x289.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Machtdemonstration der chinesischen Regierung in Lhasa, offenbar um die Bev\u00f6lkerung einzusch\u00fcchtern und von Protestaktionen aus Anlass des tibetischen Volksaufstandes vom M\u00e4rz 1959 abzuschrecken, M\u00e4rz 2019. Der massive Milit\u00e4raufmarsch findet jedes Jahr statt. Quelle: staatliche chinesische Medien.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die chinesische Regierung musste dabei in der Vergangenheit keine sp\u00fcrbaren Konsequenzen f\u00fcr ihre Politik f\u00fcrchten, nicht von Seiten der Europ\u00e4er, auch nicht der deutschen Bundesregierung, etwa als die sie die seit 2002 stattfindenden Dialoge mit Vertretern des Dalai Lama nach der Pekinger Olympiade 2008 scheitern lie\u00df. Dabei musste die Intention Pekings jedem sp\u00e4testens 2010, nach der letzten Dialogrunde, klar sein. Wohlwollend sollte die Weltgemeinschaft blicken auf das glanzvolle Megaereignis der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Die andauernde Kritik an China wegen seiner Unterdr\u00fcckungspolitik in Tibet st\u00f6rte und war der KP ein Dorn im Auge. Die Dialoge mit den Vertretern des Dalai Lama, die sich ernsthaft um eine L\u00f6sung der Tibetfrage bem\u00fchten, kamen da nur recht, und sie taten einiges, um Kritiker zu beschwichtigen. Nach den Spielen wies Peking die Vorschl\u00e4ge der Tibeter br\u00fcsk zur\u00fcck. Die Gespr\u00e4che wurden sinnlos. Die Finte Pekings indes hatte keine Folgen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Folgenlos blieb f\u00fcr die KP die gewaltsame Niederschlagung der landesweiten, ganz \u00fcberwiegend friedlichen Proteste in Tibet im Jahre 2008 &#8211; bis heute einer der wenigen Gro\u00dfproteste gegen die Politik der Kommunistischen Partei in der Volksrepublik in Dekaden. W\u00e4hrend die KP vielerorts mit ihrem Narrativ von den gewaltsamen \u00dcbergriffen von Tibetern in Lhasa Erfolg hatte, wurde weniger diskutiert, wie viele Tibeter beim gewaltsamen Vorgehen der Beh\u00f6rden gegen friedliche Demonstrationen im ganzen Land ums Leben gekommen waren. Hinweise \u00fcber Hunderte, sogar noch mehr Tote, f\u00fchrten nicht dazu, von Peking eine r\u00fcckhaltlose Aufkl\u00e4rung zu fordern und deren Ausbleiben mit Konsequenzen zu verbinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor hatte sich die Bundesregierung um eine \u201eNormalisierung\u201c der Beziehungen mit der KP bem\u00fcht, nachdem sie sich mit dem Merkel-Dalai Lama Treffen in 2007 den Groll der F\u00fchrer in Peking zugezogen hatte. Was der Preis f\u00fcr diese \u201e<a href=\"https:\/\/de.reuters.com\/article\/deutschland-china-zf-idDESCH25230320080122\">Normalisierung<\/a>\u201c war, welche Zusicherungen die Bundesregierung abseits der damals schon bekannten Formeln (Bekenntnis zur \u201eEin-China-Politik\u201c, keine Unabh\u00e4ngigkeit Tibets) geben musste, ist bis heute unbekannt. Sicher kann sein, dass sie der Glaubw\u00fcrdigkeit deutscher Menschenrechtspolitik gegen\u00fcber China nachhaltig geschadet haben. Aber nicht nur Deutschland sah sich seinerzeit wegen Besuchen des Dalai Lama Druck ausgesetzt. Doch europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t und eine gemeinsame Zur\u00fcckweisung der Forderungen Pekings gab es nicht. Ob sich die Bundesregierung seinerzeit um diese Solidarit\u00e4t bem\u00fcht hat, ist nicht bekannt. Nach den Protesten von 2008 wurde wieder zur Tagesordnung \u00fcbergegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Folgenlosigkeit der Proteste von 2008 und die gef\u00fchlte Aussichtslosigkeit ihrer Situation reagierten seit 2009 mehr als 150 Tibeterinnen und Tibeter mit drastischen Mitteln: mit ihrer <a href=\"https:\/\/savetibet.org\/tibetan-self-immolations\/\">Selbstverbrennung<\/a> und in vielen F\u00e4llen mit ihrem sicheren Tod. Sie artikulierten so ihren Protest gegen die Unterdr\u00fcckung ihrer Religion und ihrer Kultur und auch gegen die Verunglimpfung des Dalai Lama, dessen R\u00fcckkehr nach Tibet viele der Protestierenden forderten. Die Welle der Selbstanz\u00fcndungen fand ihren H\u00f6hepunkt in 2012 und 2013. Dabei z\u00fcndeten sich nicht nur buddhistische M\u00f6nche und Nonnen an, sondern zum Beispiel auch Tibeter aus Nomadengemeinschaften. Peking ging hart gegen deren Familien und Freunde vor. <a href=\"https:\/\/savetibet.org\/acts-of-significant-evil-report\/\">Ganze D\u00f6rfer wurden in kollektive Haftung genommen und Menschen aus dem Umfeld der Protestierenden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt<\/a>. Wieder reagierte die KP mit Abschreckung und Repression. Im Westen zeigte man sich vereinzelt <a href=\"http:\/\/webarchiv.bundestag.de\/cgi\/show.php?fileToLoad=2969&amp;id=1223\">ersch\u00fcttert<\/a> \u00fcber diese politisch motivierten Suizide und die darin liegende Verzweiflung. Doch Folgen gab es auch dieses Mal nicht f\u00fcr Peking.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersehen wurde in diesen Jahren vom Westen offenbar, dass die KP in Tibet neue Instrumente totalit\u00e4rer Herrschaft testete, die sie sp\u00e4ter anderswo, etwa in Xinjiang perfektioniert hat. Tibet war dar\u00fcber hinaus offensichtlich auch ein Versuchslabor daf\u00fcr, wie weit die KP gegen\u00fcber dem Westen zu gehen k\u00f6nnen glaubte. Ihr musste die Schw\u00e4che etwa der EU und ihrer Mitgliedsstaaten nur zu augenf\u00e4llig sein, was sie zu weiteren massiven Regelverletzungen und aggressiven Verhalten ermutigt haben d\u00fcrfte, sei es in Xinjiang, Hongkong oder im s\u00fcdchinesischen Meer. Der Tibet-Konflikt war damit niemals nur eine Frage der Rechte von rund sechs Millionen Tibetern, sondern hatte Auswirkungen darauf, wie China sowohl seine Innen- wie auch seine Au\u00dfenpolitik gestaltete. Es ist bedauerlich, dass dieser offensichtliche Zusammenhang ignoriert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine andere Politik \u2013 mit Konsequenzen f\u00fcr Peking<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der US-Kongress hat Ende 2018 den \u201eReciprocal Access to Tibet Act\u201d (RATA) verabschiedet, \u00fcbrigens \u00fcberparteilich und ohne Zutun von President Trump. Das Gesetz sieht personenbezogene Sanktionen f\u00fcr KP-Funktion\u00e4re vor, die den freien Zugang nach Tibet unterbinden und f\u00fcr die Abschottung des Landes verantwortlich sind. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten sollten angelehnt an die US-amerikanische Gesetzgebung der chinesischen Regierung deutlich machen, dass die Abschottung Tibets Konsequenzen hat. \u00d6ffnung bedeutet Transparenz, und aus Transparenz folgt Verantwortlichkeit, welche letztlich Menschenrechtsverletzungen verhindern kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland sollte sich \u00fcberdies mit mehr Nachdruck f\u00fcr die kulturellen und religi\u00f6sen Rechte der Tibeter einsetzen. Dies betrifft den Schutz der tibetischen Sprache, vor allem aber die aktuell enorm wichtige Frage der Nachfolge des Dalai Lama. Ein klares, nicht ein \u00e4ngstliches Eintreten f\u00fcr die Rechte tibetischer Buddhisten, k\u00f6nnte Peking davon abhalten, extreme Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, wenn der n\u00e4chste Dalai Lama bestimmt werden muss. Ein hasenf\u00fc\u00dfiges Auftreten, das wie so oft schon den wohl inszenierten Groll der KP-F\u00fchrer in Peking antizipiert, hilft nicht weiter. Anders als die Kommunistische Partei uns glauben lassen m\u00f6chte, ist die Tibetfrage noch nicht beantwortet. Das wei\u00df auch Peking, wenn es seine Herrschaft in Tibet weiterhin nur auf Repression und \u00dcberwachung gr\u00fcnden kann. Gerade deswegen muss Deutschland energischer F\u00fcrsprecher der Tibeter werden und eine Politik der Konsequenz gegen\u00fcber Peking verfolgen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Ruhe auf dem Dach der Welt von Kai M\u00fcller, International Campaign for Tibet, www.savetibet.de Trotz 70 Jahren Besetzung: Tibeter wehren sich gegen Peking. 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