{"id":1124,"date":"2020-09-18T10:37:36","date_gmt":"2020-09-18T10:37:36","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1124"},"modified":"2020-09-18T10:48:49","modified_gmt":"2020-09-18T10:48:49","slug":"1553","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1124","title":{"rendered":"1553"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1553<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Von Alex Fischer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Tagen geisterten verschiedene Zahlen durch die \u00f6ffentliche Diskussion um die obdachlosen Fl\u00fcchtlinge von Moria: 100 bis 150, 400, zuletzt 1553. Immer ging es darum, wie viele der armen Seelen aus dieser Schande von einem Lager wir in Deutschland aufnehmen k\u00f6nnten, was nat\u00fcrlich nichts anderes bedeutete, als: aufnehmen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun also 1553, nicht nur aus Moria, sondern von insgesamt f\u00fcnf Inseln in der \u00c4g\u00e4is. Das ist besser als 100 bis 150 oder als 400, aber f\u00fcr ein 83-Millionen-Volk und angesichts von \u2013 allein um Moria herum \u2013 13.000 Menschen ohne echtes Obdach im anbrechenden Herbst immer noch weit entfernt vom allem, was das christliche Gebot der N\u00e4chstenliebe uns nahelegt. Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung frieren \u00fcbrigens alle Menschen nachts drau\u00dfen im Herbst, nicht nur Frauen und unbegleitete Minderj\u00e4hrige. Und ich pers\u00f6nlich kenne auch niemanden, der es \u00fcberhaupt physisch oder psychisch aushalten w\u00fcrde, jahrelang unter den menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen eines dieser Lager zu leben. Sie vielleicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spannende an Zahlen ist, dass sie \u00fcberall Parallelen er\u00f6ffnen. 1553 \u2026 Im Jahr 1553 landete das erste englische Schiff im damals noch portugiesisch dominierten Westafrika an. Ein gewisser Captain Windham f\u00fchrte das Kommando. Aus diesem und anderen eher sporadischen Versuchen Einzelner erwuchs bald ein komplexes Gef\u00fcge interkontinentaler Handelsbeziehungen. Gehandelt wurden Waren aller Art, und unter \u201eWare\u201c verstand man damals vielfach auch Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der transatlantische Sklavenhandel, der bereits 1510 begonnen hatte und sp\u00e4testens ab dem 17. Jahrhundert richtig zu boomen begann, f\u00fchrte nicht nur zu millionenfachem, unvorstellbarem Leid, sondern \u00fcber dieses millionenfache Leid auch zu einem unfassbaren Aderlass f\u00fcr den afrikanischen Kontinent. Schuld an diesem Aderlass waren wir Europ\u00e4er \u2013 da kann es keine zwei Meinungen geben, ganz gleich, wen wir in Afrika daf\u00fcr bezahlt haben, uns die Sklaven zu beschaffen. Wir waren die treibenden Kr\u00e4fte, und wir waren die gro\u00dfen Profiteure. Ein betr\u00e4chtlicher Teil unseres historisch gewachsenen Wohlstands gr\u00fcndet auf dem Sklavenhandel, und mehr noch: Das auf diese Weise zwischen Europa und Afrika entstandene Gef\u00e4lle zum einen in \u00f6konomischer Hinsicht, zum anderen aber auch in der geistigen Haltung vieler Europ\u00e4er gegen\u00fcber unseren afrikanischen Mitmenschen ist nie wieder verschwunden. In unserer turboglobalisierten Welt tritt es sogar teilweise deutlicher zutage als jemals zuvor. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie viele der 1553 Menschen, die unsere Bundesregierung Stand heute nach Deutschland holen m\u00f6chte, B\u00fcrgerkriegsfl\u00fcchtlinge aus Syrien sind, wie viele aus anderen asiatischen L\u00e4ndern stammen, und wie viele aus afrikanischen Staaten. Ich wei\u00df nur eines: Wir tragen Verantwortung f\u00fcr viele dieser Schicksale. Richtig: tragen, nicht nur: m\u00fcssen \u00fcbernehmen. Wir tragen diese Verantwortung bereits, und zwar seit Jahrhunderten. Denn wir Europ\u00e4er haben nicht zuv\u00f6rderst das Licht der Aufkl\u00e4rung in die verschiedensten Gegenden dieser Welt getragen, was viele von uns immer noch gerne behaupten. Zuv\u00f6rderst haben wir gew\u00fctet, uns bereichert und anderen Menschen ihre Zukunft zerst\u00f6rt. Das Licht dieser Erkenntnis strahlt so hell, dass es jeden noch so dichten Vorhang, den wir an unseren Au\u00dfengrenzen hochziehen k\u00f6nnen, m\u00fchelos durchdringt. Und alles, was wir heute tun k\u00f6nnen, um unserer Verantwortung glaubw\u00fcrdig gerecht zu werden \u2013 das m\u00fcssen wir tun!<\/p>\n\n\n\n<p>So viel zu der Zahl 1553 und zu allen anderen Zahlen, \u00fcber die wir in den n\u00e4chsten Jahren noch streiten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1553 Von Alex Fischer In den letzten Tagen geisterten verschiedene Zahlen durch die \u00f6ffentliche Diskussion um die obdachlosen Fl\u00fcchtlinge von Moria: 100 bis 150, 400, zuletzt 1553. 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