{"id":1431,"date":"2021-02-24T10:01:54","date_gmt":"2021-02-24T10:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1431"},"modified":"2021-02-24T13:59:03","modified_gmt":"2021-02-24T13:59:03","slug":"patria-y-vida-ein-leid-der-das-regime-in-havanna-nervoes-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1431","title":{"rendered":"Patria y Vida: Ein Lied, das das Regime in Havanna nerv\u00f6s macht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Patria y Vida: Ein Lied, das das Regime in Havanna nerv\u00f6s macht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Musikvideo auf Youtube ist nur ca. 4 Minuten lang, aber die haben es in sich. Patria y Vida, Vaterland und Leben, ist ein Lied f\u00fcr den politischen Wandel auf Kuba. Schon der Titel ist eine Kampfansage an das autorit\u00e4re Motto der Revolution, Patria o Muerte, Vaterland oder Tod.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text handelt von der Unterdr\u00fcckung, der sozialen Ungleichheit, der Armut und der Misere im kommunistischen Kuba. Auch das Movimiento San Isidro ist Thema. Im Musikvideo sieht man wie die kubanische Polizei gegen friedliche Demonstranten vorgeht. Das ist nicht neu, solche Lieder gab es auch schon vorher. Aber diesmal singt es kein Unbekannter, sondern die Stars der kubanischen Reggaeton Szene. Das international erfolgreiche Latinpop-Duo Gente D\u2019 Zona ist ebenso dabei wie der kubanische S\u00e4nger Descemer Bueno. Beide sind Haushaltsnamen im Genre f\u00fcr Lateinamerikanische Musik. Beiden traten schon mit internationalen Superstars wie Enrique Iglesias oder Pitbull auf.&nbsp; Beide waren bis jetzt strikt unpolitisch. Bis jetzt sangen sie nur von der Liebe, wie gef\u00fchlt 99% der kommerziell erfolgreichen lateinamerikanischen Musiker. Nun fordern sie ein Ende der Diktatur auf Kuba, Freiheit und Demokratie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"820\" height=\"462\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1432\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_3.jpg 820w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_3-300x169.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_3-768x433.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 820px) 100vw, 820px\" \/><figcaption>Offizielles Cover-Bild des Liedes Patria y Vida<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Lied schl\u00e4gt ein wie Bombe. Ver\u00f6ffentlich am 17. Februar, wurde es heute am 19. Februar auf Youtube schon 850.000 Mal angeschaut. \u00dcber die sozialen Medien verbreitet sich das Video auch in Kuba. Der mutige oppositionelle Jose Daniel Ferrer beschallt damit seine Nachbarschaft in Santiago und fragt Passanten Live auf Facebook, ob sie das Lied kennen. Die meisten antworten mit ja. Vor kubanischen Botschaften auf der ganzen Welt spielen Demonstranten das Lied ab und streamen die Aktion auf Facebook und Instagram. Ohne Zweifel ist dieses Lied eins der erfolgreichsten gegen die Castro-Diktatur gerichteten Protestsongs.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diktatur reagiert nerv\u00f6s, fast hysterisch: Sie startet eine massive Medienkampagne gegen das Lied. S\u00e4mtliche Tageszeitungen diffamieren die Interpreten als von den USA bezahlte Marionetten und verteidigen das offizielle Motto \u201eVaterland oder Tod\u201c. Das kubanische Staatsfernsehen besch\u00e4ftigt sich in den 20Uhr Nachrichten 10 Minuten lang mit dem Song und schl\u00e4gt nat\u00fcrlich den selben Ton an. Auch in den sozialen Medien setzt das Regime sofort eine Hetzkampagne in den Gang. Das kubanische Kulturministerium postet diffamierende Memes \u00fcber die S\u00e4nger, in einer Pressemitteilung beschimpft das Ministerium die S\u00e4nger als Ratten. Andere dem Regime nahestehende Social Media Accounts beschimpfen die S\u00e4nger als Drogenabh\u00e4ngige uns Kriminelle. Miguel Diaz Canel, der Pr\u00e4sident h\u00f6chstpers\u00f6nlich, reagiert auf Twitter und schl\u00e4gt stattdessen das Lied \u201eAsi se canta a la patria\u201c vom kommunistischen S\u00e4nger Sylvio Rodriguez vor.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sprichwort besagt \u201eGetroffene Hunde bellen\u201c. Wenn man auf einen Vorwurf sehr heftig reagiert, ist wohl viel Wahres dran. Die \u00fcberzogene Reaktion des Regimes auf das Lied macht zwei Dinge mehr als deutlich: Zum einen beschreibt der Songtext die Lage in Kuba wahrheitsgem\u00e4\u00df und zum zweiten hat das Regime ziemliche Angst. Es hat Angst vor der Wahrheit, vor den sozialen Medien, vor dem eigenen Volk und vor allem Angst vor dem eigenen Ende. Eine Diktatur, die sich sicher ist ihr Volk fest im Griff zu haben, w\u00fcrde einem einfachen Lied niemals so viel Aufmerksamkeit schenken und derma\u00dfen unsouver\u00e4n reagieren. Denn durch die Hetzkampagne bekommt das Lied ja erst richtig Aufmerksamkeit. So erf\u00e4hrt wirklich jeder Kubaner von seiner Existenz, auch die \u00e4lteren Kubaner die nicht im Internet unterwegs sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"906\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_4-Kopie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1433\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_4-Kopie.jpg 640w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bild_4-Kopie-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Diffamierender Post vom kubanischen Kulturministerium. Er behauptet das Duo Gente de Zona redet schlecht \u00fcber Kuba, weil sie daf\u00fcr Geld bekommen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>So handelt nur eine Diktatur die ziemlich verzweifelt ist. Und das ist das kubanische Regime. Der Zusammenbruch des Verb\u00fcndeten Venezuelas, Covid-19 und die US-Sanktionen haben sich zu einem perfekten Sturm zusammengebraut, der die sozialistische Mangelwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben. Die L\u00e4den auf Kuba sind noch viel leerer als sonst, die Kubaner haben Hunger. Das steigert nat\u00fcrlich die Unzufriedenheit im Land massiv. Denn wie der oppositionelle Schriftsteller Jorge Angel Perez stets betont: Mit dem Magen spielt man nicht. Vor diesem Hintergrund erkl\u00e4rt sich das Movimiento San Isidro, der Protest vor dem Kulturministerium am 27. November, und das Lied Patria y Vida. Die Unzufriedenheit auf Kuba wird langsam gr\u00f6\u00dfer als die Angst.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Autor: Fernando Rivas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patria y Vida: Ein Lied, das das Regime in Havanna nerv\u00f6s macht Das Musikvideo auf Youtube ist nur ca. 4 Minuten lang, aber die haben es in sich. 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