{"id":1553,"date":"2021-04-07T10:26:26","date_gmt":"2021-04-07T10:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1553"},"modified":"2021-04-07T10:26:26","modified_gmt":"2021-04-07T10:26:26","slug":"hungerstreik-in-santiago-protest-in-havanna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1553","title":{"rendered":"Hungerstreik in Santiago, Protest in Havanna"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hungerstreik in Santiago, Protest in Havanna<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p>Seit 19 Tagen sind ca. 40 Aktivisten der B\u00fcrgerrechtsbewegung UNPACU (Uni\u00f3n Patri\u00f3tica de Cuba) im Hungerstreik. Unter ihnen ist auch der Vorsitzende der UNPACU, der bekannte Dissident und ehemalige politische Gefangene Jose Daniel Ferrer. Zentrum des Hungerstreiks ist Santiago de Cuba, alleine am Sitz der Organisation halten sich rund ein Dutzend Hungerstreikende auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ursache des Protestes sind die Repressalien der Staatssicherheit gegen die UNPACU. Die UNPACU betreibt eine Armenk\u00fcche, die sowohl Essen an Bed\u00fcrftige, als auch Medikamente kostenlos an kranke Menschen verteilt. Aufgrund der immer schlechteren Versorgungslage in Kuba, die sich insbesondere in einem gravierenden Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten&nbsp; niederschl\u00e4gt, bekam die Armenk\u00fcche der Organisation einen immer gr\u00f6\u00dferen Zulauf. Dass die Opposition quasi die Versorgung der lokalen Bev\u00f6lkerung sicherstellt, war dem Regime nat\u00fcrlich ein Dorn im Auge. Deshalb st\u00fcrmten Einheiten der Staatssicherheit und der Polizei am 17. M\u00e4rz das Lokal und verhafteten sowohl die Anwesenden UNPACU-Aktivisten, als auch alle Bed\u00fcrftigen die gerade vor Ort waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Protest gegen diese Ma\u00dfnahme traten Jose Daniel Ferrer und rund 40 weitere Aktivisten am Folgetag, den 18. M\u00e4rz, in den unbefristeten Hungerstreik. Sie fordern vom Regime eine Ende der Repressalien gegen die UNPACU, die Freilassung der Menschen die verhaftet worden sind und eine Erlaubnis die Armenk\u00fcche weiter zu betreiben. Das Regime hat die Forderung der Aktivisten bis heute komplett ignoriert. Den Hungerstreik&nbsp; selbst ignoriert es jedoch keinesfalls. Die Machthaber in Havanna starteten sofort eine Hetzkampagne gegen die UNPACU, sowohl in den sozialen Medien als auch in den traditionellen Medien. Die gro\u00dfen Tageszeitungen und Nachrichtensendungen verunglimpften die Aktivisten der UNPACU als von den USA bezahlte S\u00f6ldner und Vaterlandsverr\u00e4ter, die den Hungerstreik nur zur Show&nbsp; und f\u00fcr Geld abziehen w\u00fcrden. In die gleiche Kerbe schlugen die zahlreichen regimetreuen Trolle in den sozialen Netzwerken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese bekamen jedoch kr\u00e4ftigen Gegenwind zu sp\u00fcren. Sie sind den kritisch eingestellten Kubanern in den sozialen Netzwerken mittlerweile deutlich unterlegen. Die Versorgungslage in Kuba ist mittlerweile so schlecht, dass immer weniger Kubaner ein Blatt vor den Mund nehmen. Die meisten Nutzer verteidigen deshalb die Hungerstreikenden gegen die Schm\u00e4hungen des Regimes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider belie\u00df es das Regime aber nicht nur bei verbalen Aggressionen. Regimetreue Schergen zogen vor den Sitz der UNPACU, um die Aktivisten lautstark als Verr\u00e4ter zu beschimpfen. Sie bewarfen das Geb\u00e4ude&nbsp; auch mit Steinen, von denen einige durch die Fenster schlugen und die Aktivisten im Innern verletzten. Unter den Verletzten ist auch Jose Daniel Ferrer selber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"916\" height=\"480\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hungerstreik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1554\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hungerstreik.jpg 916w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hungerstreik-300x157.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hungerstreik-768x402.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 916px) 100vw, 916px\" \/><figcaption>Hungerstreikende im Sitz der UNPACU in Santiago de Cuba<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Allerdings bekam der Hungerstreik auch Unterst\u00fctzung aus dem Ausland. Letzte Woche unterzeichneten 5 Europaabgeordnete, darunter auch die Vize-Pr\u00e4sidentin des EU-Parlamentes Dita Charanzov\u00e1, einen Brief an die kubanische Botschaft in Br\u00fcssel, die das Regime dazu auffordert die Forderungen der Aktivisten zu erf\u00fcllen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Havanna solidarisierten sich die Aktivisten der San Isidor Bewegung (Movimiento San Isidro, MSI) mit den Hungerstreikenden in Santiago. Zum Jahrestag der Gr\u00fcndung der Bewegung veranstalteten die Aktivisten eine gro\u00dfangelegte Protestaktion am Ostersonntag im Namensgebenden Stadtviertel San Isidro. Die Stra\u00dfe vor dem Sitz der Organisation war voll mit Anwohnern die zur Protesthymne Patria y Vida sangen und tanzten. Es wurden weitere regimekritische Lieder gespielt und die Menge beschimpfte den kubanischen Diktator Diaz Canel lautstark als \u201eSingao\u201c. Das ist im kubanischen Spanisch ein umgangssprachliches Schimpfwort f\u00fcr einen Egoisten, der anderen das Leben schwer macht. Die Aktivisten machten auch Mehrmals auf den Hungerstreik in Santiago aufmerksam und forderten Solidarit\u00e4t mit den Hungerstreikenden und eine Ende der Repressalien gegen die UNPACU. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"680\" height=\"871\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Protest.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1555\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Protest.jpg 680w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Protest-234x300.jpg 234w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption>Der MSI-Aktivist Maykel Osorbo nach seiner gescheiterten Verhaftung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Polizei versuchte zwar die Aktivisten zu verhaften und die Protestaktion zu beenden, kam jedoch gegen die Menge der Anwohner nicht an. Die Verhaftung von MSI-Mitglied Maykel Osorbo scheiterte spektakul\u00e4r, das Bild der an seinem Handgelenkt baumelnden Handschellen verbreitete sich rasant in den sozialen Medien. Allerdings hatten die Aktivisten des MSI einen Tag sp\u00e4ter, am Ostermontag, weniger Gl\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen verschlechtert sich die Gesundheit der Hungerstreikenden in Santiago rapide. Eine Aktivistin musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, der Zustand von einigen anderen ist ebenfalls sehr schlecht. Auch der Gesundheitszustand von Jose Daniel Ferrer ist mittlerweile kritisch. Dennoch m\u00f6chten die Aktivisten ihren Hungerstreik so lange fortsetzen bis ihre Forderungen erf\u00fcllt werden. Wie das Regime letztendlich reagieren wird ist nicht klar. Im November lie\u00df es den Hungerstreik der San Isidor Bewegung gewaltsam beenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Fernando Rivas<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hungerstreik in Santiago, Protest in Havanna Seit 19 Tagen sind ca. 40 Aktivisten der B\u00fcrgerrechtsbewegung UNPACU (Uni\u00f3n Patri\u00f3tica de Cuba) im Hungerstreik. Unter ihnen ist auch der Vorsitzende der UNPACU, der bekannte Dissident und ehemalige politische Gefangene Jose Daniel Ferrer. Zentrum des Hungerstreiks ist Santiago de Cuba, alleine am Sitz der Organisation halten sich rund [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1554,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-1553","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kuba"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1556,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions\/1556"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}