{"id":1603,"date":"2021-04-20T10:46:59","date_gmt":"2021-04-20T10:46:59","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1603"},"modified":"2021-04-20T11:05:42","modified_gmt":"2021-04-20T11:05:42","slug":"kuba-sechs-jahre-gefaengnis-fuer-ein-schild-aus-pappe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1603","title":{"rendered":"Kuba: Sechs Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr ein Schild aus Pappe?"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Kuba: Sechs Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr ein Schild aus Pappe?<\/h1>\n\n\n\n<p>Am 4. Dezember 2020 hatte der 28-j\u00e4hrige Informatikstudent Luis Robles genug<br>von der Unterdr\u00fcckung in seinem Land. Bis jetzt hatte er immer geschwiegen,<br>ist nie politisch aufgefallen. Aber das ungerechte Urteil gegen den Rapper<br>Denis Solis und das harte Vorgehen der Beh\u00f6rden gegen die friedlichen<br>K\u00fcnstler der San Isidro Bewegung waren zu viel f\u00fcr den jungen Mann. Er<br>wollte etwas tun und bastelte sich ein Schild aus Pappe. Wie die<br>Anklageschrift der kubanischen Staatsanwaltschaft minuti\u00f6s festh\u00e4lt,<br>pinselte er in roter und blauer Farbe die Worte \u201eLibertad\u201c (Freiheit), \u201eNo<br>m\u00e1s represi\u00f3n\u201c (Schluss mit der Unterdr\u00fcckung) und dem Hashtag #freedenis<br>auf das Schild.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1605\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild1-1.jpg 800w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild1-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild1-1-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Luis Robles mit seinem Schild im Boulevard San Rafael, Havanna<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Mit diesem Schild zog er an den Boulevard San Rafael, eine belebte<br>Fu\u00dfg\u00e4ngerzone in der Innenstadt Havannas. Dort begann er das Schild \u00fcber<br>seinen Kopf zu halten, \u201eAbajo la dictadura!\u201c (Nieder mit der Diktatur!) zu<br>rufen und ging auf und ab. Schnell bildete sich eine Menschentraube, die<br>seinen Protest filmte. Die Videos verbreiteten sich in Windeseile \u00fcber die<br>sozialen Netzwerke. In den Videos sieht man wie einige der Zuschauer<br>beginnen ebenfalls \u201eNieder mit der Diktatur\u201c! zu rufen. Das Ganze dauert<br>jedoch keine 5 Minuten, denn die Polizei ist bereits nach 3 Minuten zur<br>Stelle, um Luis Robles zu verhaften. Vor allem anwesende Frauen versuchen<br>dies zu verhindern, dies gelingt ihnen jedoch nicht.<br>Seit diesem Tag, dem 4. Dezember, sitzt der Student nun durchg\u00e4ngig in Haft.<br>Das sind nun bereits mehr als 4 Monate Haft f\u00fcr eine friedliche<br>Meinungs\u00e4u\u00dferung. Seine Familie lies man nach seiner Verhaftung tagelang im<br>Unklaren \u00fcber seinen Verbleib. Zuerst war er im ber\u00fcchtigten<br>Untersuchungsgef\u00e4ngnis Villa Marista der kubanischen Staatssicherheit<br>inhaftiert. Dieses Gef\u00e4ngnis \u00e4hnelt dem ehemaligen Stasi-Gef\u00e4ngnis<br>Hohensch\u00f6nhausen in Ost-Berlin. Auch die Methoden dort sind dieselben: Luis<br>Robles wurde dort die Freiheit versprochen, wenn er sich Bereiterkl\u00e4ren<br>w\u00fcrde als Spitzel f\u00fcr die kubanische Stasi zu arbeiten. Der junge Mann<br>weigerte sich jedoch konsequent. Als Bestrafung daf\u00fcr wurde er dann in das<br>Combinado del Este \u00fcberstellt, ein Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis. Dieses<br>Gef\u00e4ngnis ist f\u00fcr seine harten Haftbedingungen ber\u00fcchtigt, dort sitzen<br>normalerweise nur gewaltt\u00e4tige Schwerverbrecher ein.<br>Luis Robles darf keinerlei Besuch empfangen, er hat seine Familie zum<br>letzten Mal am 4. Dezember gesehen. Ab und zu darf er mit seiner Familie<br>telefonieren. Dann berichtet er von Misshandlungen und Erniedrigungen. Man<br>h\u00e4tte ihn geschlagen, mit kaltem Wasser bespritzt, und zwinge ihn alle 2<br>Stunden nackt die Zelle zu wechseln. Auch seine Familie ist Repressalien der<br>Staatsmacht ausgesetzt. Sie stehen unter st\u00e4ndiger Beobachtung und sein<br>Bruder wurde verlor seine Anstellung als Mechaniker.<br>Allerdings kann es auch noch viel schlimmer kommen, denn die<br>Staatsanwaltschaft fordert nun 6 Jahre Haft f\u00fcr Luis Robles. Dieses v\u00f6llig<br>\u00fcberzogene Strafma\u00df ist auch f\u00fcr das kubanische Regime ungew\u00f6hnlich hart.<br>Den meisten bekannten Oppositionellen drohen Haftstrafen von wenigen Monate<br>bis maximal zu einem Jahr. Allerdings sind Haftstrafen f\u00fcr bekannte<br>Dissidenten mittlerweile eine echte Ausnahme. Diese werden zwar st\u00e4ndig<br>schikaniert, beobachtet und oft verhaftet, aber in den allermeisten F\u00e4llen<br>kommen sie nach 1-2 N\u00e4chten in Polizeigewahrsam wieder frei.&nbsp; Und das,<br>obwohl sie als \u201eBerufsoppositionelle\u201c seit vielen Jahren gegen das Regime<br>protestieren. Allerdings genie\u00dfen diese Oppositionelle auch einen gewissen<br>Schutz durch ihren hohen Bekanntheitsgrad. Das Regime will international<br>nicht am Pranger stehen. In dem es die bekannte Opposition im Vergleich zu<br>anderen Diktaturen wie Iran, \u00c4gypten oder China eher milde behandelt, kann<br>es sicher sein nicht im Fokus der Welt\u00f6ffentlichkeit zu stehen. Au\u00dferdem<br>glaubt es mit den bekannten Oppositionellen gut umgehen zu k\u00f6nnen. Da sie<br>nur wenig Unterst\u00fctzung beim breiten Volk genie\u00dfen, stuft das Regime sie<br>nicht als wirkliche Bedrohung ein. Es gibt also keinen Grund sie unn\u00f6tig<br>hart zu behandeln und dadurch einen internationalen Aufschrei auszul\u00f6sen.<br>Das sieht bei Luis Robles allerdings ganz anders aus. Luis Robles ist das<br>gemeine Volk. Ein bis dahin vollkommen \u201eunpolitischer\u201c Kubaner, der<br>pl\u00f6tzlich genug von der Unterdr\u00fcckung in seinem Land hat und sich deshalb<br>spontan entscheidet friedlich zu protestieren. Da er mit keiner bekannten<br>oppositionellen Gruppierung in Kontakt steht, kann man ihn nicht als vom<br>Ausland bezahlten S\u00f6ldner diskreditieren. Genau das stellt eine<br>existenzielle Bedrohung f\u00fcr die Diktatur da. Dass das gemeine Volk seine<br>Angst verliert und anf\u00e4ngt zu protestieren, muss jede Diktatur verhindern,<br>wenn sie weiter an der Macht bleiben m\u00f6chte. Dies erkl\u00e4rt die Forderung der<br>Staatsanwaltschaft nach 6 Jahren Haft. Das Regime will an dem jungen mutigen<br>Studenten ein Exempel statuieren, damit nicht noch mehr Kubaner es wagen zu<br>protestieren.<br><br>Luis Robles\u2019 einzige Hoffnung ist nun die internationale Aufmerksamkeit, die<br>sein Fall erf\u00e4hrt. Wird die zu gro\u00df, wird das Regime ihn wahrscheinlich<br>nicht zu einer langen Haftstrafe verurteilen. Bis jetzt beschr\u00e4nkt sich<br>diese aber nur auf die sozialen Medien und die einschl\u00e4gigen Zeitungen der<br>exilkubanischen Gemeinde in Miami. Um das kubanische Regime davon<br>abzubringen den jungen Mann f\u00fcr Jahre ins Gef\u00e4ngnis zu stecken braucht es<br>mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Fernando Rivas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuba: Sechs Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr ein Schild aus Pappe? Am 4. Dezember 2020 hatte der 28-j\u00e4hrige Informatikstudent Luis Robles genugvon der Unterdr\u00fcckung in seinem Land. Bis jetzt hatte er immer geschwiegen,ist nie politisch aufgefallen. 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