{"id":1766,"date":"2021-07-09T10:27:32","date_gmt":"2021-07-09T10:27:32","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1766"},"modified":"2021-07-09T10:27:32","modified_gmt":"2021-07-09T10:27:32","slug":"russland-und-cuba-toxische-importe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1766","title":{"rendered":"Russland und Cuba: Toxische  Importe"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Russland und Cuba: Toxische Importe<\/h1>\n\n\n\n<p>Von Jorge \u00c1ngel P\u00e9rez *<\/p>\n\n\n\n<p>Masse statt Klasse war schon immer Devise der kubanischen Kommunisten. Ich erinnere mich, dass in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, jemand, ich denke es war Fidel Castro, die Idee hatte, den Unterricht der russischen Sprache f\u00fcr die Masse zu gestalten. Man wollte sich wohl beim Chef in Moskau einschmeicheln. Russisch sollte \u00fcber das Radio gelehrt werden. Man druckte sogar in gro\u00dfer Eile Hefte f\u00fcr Radio-Kurse, die die eingeschriebenen Studenten auch postwendend erhielten. Ich kenne kein anderes Land das jemals versucht hat, eine Fremdsprache \u00fcber Radio zu unterrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das naive Kind, das ich war, glaubte, dass es flie\u00dfend Russisch sprechen k\u00f6nnte, so dass es ihm sp\u00e4ter leicht fallen w\u00fcrde, sich mit irgendeinem Jungen zu verst\u00e4ndigen, dessen Name Sergej, Alioscha, Wladimir oder Nikita war. Oder mit einem M\u00e4dchen, welches den Kopf drehen w\u00fcrde, wenn ich Olenka rufen w\u00fcrde, oder Katiusha oder Mascha, Jekaterina, Polina oder Paschenka. Das Kind aber, das ich war, langweilte sich im Laufe der Monate und&nbsp; vernachl\u00e4ssigte das Erlernen der russischen Sprache f\u00fcr immer. Aber ich erinnere mich noch an den Satz: &#8222;Ya izuchayu russkiy yazyk po radio&#8220;.&nbsp; Da meine Tastatur nur das lateinische Alphabet hat, kann ich diesen Satz, der darauf hinweist dass ich mal Russisch \u00fcbers Radio gelernt habe, nicht auf kyrillisch schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht gerade wenige kubanische Kinder wurden in Russisch unterrichtet.&nbsp; Nicht nur im Radio, sondern auch in einem Klassenzimmer.&nbsp; Man versuchte, diese Sprache mit dem Englischen in den Sekundarschulen konkurrieren zu lassen und lie\u00df die Kinder mit diesem seltsamen Alphabet k\u00e4mpfen. Wohl wissend, dass wir mit einem so trockenen und langweiligen Unterricht, wie er damals \u00fcblich war, niemals Gogol oder Dostojewski in ihren Originalsprachen lesen k\u00f6nnten. Es besteht also kein Zweifel, dass die Einf\u00fchrung der russischen Sprache und des Kommunismus, welcher haupts\u00e4chlich in dieser Sprache propagiert wurde, einer der ersten russischen Importe auf Kuba waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer der Sprache erhielten wir auch andere wertvolle Importe, die der Kreml uns gro\u00dfz\u00fcgigerweise \u00fcberlies.&nbsp; Zum Beispiel jene riesigen, gef\u00e4hrlichen, selbstfliegenden Geschosse, die auf das nordamerikanische Territorium gerichtet waren und die eine Krise provozierten, die den Namen unseres kleinen Landes erhielt. Die Kubakrise l\u00e4sst uns immer noch die Haare zu Berge stehen, denn sie brachte die Welt an den Rand des nuklearen Holocaust. Aus Russland haben wir also eine Sprache importiert, die unsere Zweitsprache h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, aber auch Raketen und Schreibmaschinen, bei denen jede Taste ein &#8222;kyrillisches Zeichen&#8220; hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>So bekamen wir aus der Ferne jene Sprache, von der Fidel Castro annahm, sie w\u00fcrde die Sprache der Zukunft sein. Diese Sprache kam nicht etwa zu uns, weil es die Sprache von Tolstoi und Gogol war, oder wegen Tschechow oder Puschkin. Nein Russisch kam zu uns, weil es die Sprache des Sozialismus auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht war.&nbsp; In jenen Tagen waren die kubanischen Buchl\u00e4den voll mit Scholochow, Lenin, Tichonow und Gorki, andere Autoren waren nicht mehr erw\u00fcnscht.&nbsp; Das ist das Erbe welches wir von den Sowjets erhielten.&nbsp; Von dort importierten wir den sozialistischen Realismus und die Zensur. Von dort kommen auch die Verbote.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier auf Kuba hatten wir auch ein bisschen vom &#8222;Archipel Gulag&#8220;, ein bisschen Solschenizyn, ein bisschen Babel und Maldelstam. Weil wir begeistert Schrecken aus Russland importierten, hatten wir unseren Pasternak, unsere Achmatowa und Zwetajewa. Wir haben das sowjetische Grauen importiert und geerbt, und mit ihm kam die Verfolgung dieser Schriftsteller und K\u00fcnstler.&nbsp; Von dort haben wir das russische Fleisch in Dosen bekommen, aber auch die Beschr\u00e4nkungen der Freiheit, die Arbeitslager, die Repressionen, die Verhaftungen, die Hinrichtungen und den Tod. Die Sowjets lehrten uns das Verfolgen und das T\u00f6ten. Leider importierten wir aus Russland den leckeren Kaviar nur in geringen Mengen f\u00fcr einige Wenige, daf\u00fcr importierten wir aber das Leid im \u00dcberfluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Russland importieren&nbsp; wir in den Koffern kubanischer Reisender, die die Visafreiheit ausnutzen, Ersatzteile f\u00fcr Ladas, f\u00fcr Moskvitchs und vielleicht sogar f\u00fcr jene Volgas, die einst das Transportmittel der Parteibonzen waren. Aus Russland kamen viele h\u00e4ssliche Dinge zu uns, unter anderem der Kommunismus. Aber auch jene schweren W\u00e4lzer mit ihren rauen blauen Einb\u00e4nden, die die menschliche Anatomie erkl\u00e4ren und die Medizinstudenten und ihre Lehrer &#8222;Prives&#8220; nennen. Aus Russland bekamen wir auch das Vef-Radio, die Aurika-Waschmaschine, die Plastikventilatoren und die Poljot-Uhr, die Namen Sergei und Ludmila und viele andere Dinge, die fast alle schlecht sind. Die, die nicht schlecht sind,&nbsp; sind noch schlechter.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund unserer Fixierung mit Russland kamen wir sogar zu einem religi\u00f6sen Tempel, der der Kasanskaja geweiht ist: Eine orthodoxe und russische Kirche. &#8222;Unsere Liebe Frau von Kasan\u201c mit sechs Kuppeln, eine der wenigen, die nach dem verh\u00e4ngnisvollem Datum von 1959 errichtet wurden.&nbsp; Ein Anbiederung an Patriarch Kyrill und die russischen Macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles das haben wir aus Russland importiert. Hinzu kamen in den letzten Jahren noch einige andere Kleinigkeiten, die von jenen Kubanern mitgebracht wurden, die die 9550 Kilometer lange Reise auf sich genommen haben, um irgendwelchen Ramsch mitzubringen, den sie irgendwo auf der Insel weiterverkaufen. Aber ohne Zweifel das Wichtigste, was wir jetzt importieren sind leider die vielen Reisenden, die mit COVID 19 infiziert sind.&nbsp; Genau das verk\u00fcndet&nbsp; der nationale Epidemiologe jeden Morgen im Fernsehen.&nbsp; Es sagt uns, dass das Land, aus dem wir die meisten Covid 19 F\u00e4lle importieren Russland ist. Das selbe Land aus dem wir den Kommunismus importiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>So erfahren wir jeden Morgen wie viele importierte F\u00e4lle von Covid am Vortag gemeldet wurden. Einige aus Spanien, andere aus Italien, aus Indien, aus den Vereinigten Staaten oder der Dominikanischen Republik. Dann werden sie zu den lokalen Infektionen,&nbsp; denen aus &#8222;nationaler Produktion&#8220; hinzugez\u00e4hlt.&nbsp; Der gr\u00f6\u00dfte Import von F\u00e4llen ist jedoch aus Russland. Aus Russland erhalten wir die gr\u00f6\u00dfte Anzahl von Reisenden, die mit Covid 19 infiziert sind.&nbsp; Von jenem Russland, das uns in jenem Oktober an den Rand des Todes gebracht hat, erhalten wir nun den Gro\u00dfteil der importierten Infektionen. Das sind Kubaner die dort hingereist sind, um Waren zu kaufen die sie hier auf der Insel zu Wucherpreisen weiterverkaufen. Neben den Waren bringen sie auch den Virus mit.&nbsp; Ohne Zweifel haben wir viele Dinge aus Russland importiert und die meisten davon sind schlecht. Aus Russland kam die Seuche des Kommunismus und jetzt auch noch die Corona-Seuche. Aus Russland importieren wir immer das Schlechteste.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/thumbnail_image001-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1767\" width=\"386\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/thumbnail_image001-1.jpeg 376w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/thumbnail_image001-1-236x300.jpeg 236w\" sizes=\"auto, (max-width: 386px) 100vw, 386px\" \/><figcaption><em>*Unser Autor\u00a0Jorge \u00c1ngel P\u00e9rez<\/em>\u00a0<em>ist kubanischer Schriftsteller. Nach einer Zeit offizieller Anerkennung als Schriftsteller mit zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen bei staatlichen Verlagen und Medien fiel er wegen mangelnder Linientreue und Kritik an der KP in Ungnade und erhielt Ver\u00f6ffentlichungsverbot. Seine B\u00fccher d\u00fcrfen nicht auf Kuba mehr gedruckt, gehandelt und ausgeliehen werden.<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russland und Cuba: Toxische Importe Von Jorge \u00c1ngel P\u00e9rez * Masse statt Klasse war schon immer Devise der kubanischen Kommunisten. Ich erinnere mich, dass in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, jemand, ich denke es war Fidel Castro, die Idee hatte, den Unterricht der russischen Sprache f\u00fcr die Masse zu gestalten. 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