{"id":1918,"date":"2021-07-26T08:24:46","date_gmt":"2021-07-26T08:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1918"},"modified":"2021-07-26T08:24:46","modified_gmt":"2021-07-26T08:24:46","slug":"grusswort-an-die-teilnehmer-der-kundgebungcantada-fuer-die-freiheitam-25-juli-2021-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1918","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort an die Teilnehmer der Kundgebung<br>\u201eCantada f\u00fcr die Freiheit\u201c<br>am 25. Juli 2021 in Berlin"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Gru\u00dfwort an die Teilnehmer der Kundgebung<br>\u201eCantada f\u00fcr die Freiheit\u201c am 25. Juli 2021 in Berlin<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/cropped-PHOTO-2021-07-25-22-39-07.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1855\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/cropped-PHOTO-2021-07-25-22-39-07.jpg 1024w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/cropped-PHOTO-2021-07-25-22-39-07-300x225.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/cropped-PHOTO-2021-07-25-22-39-07-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Liebe Freundinnen und Freunde,<\/h4>\n\n\n\n<p>Kuba liegt mir pers\u00f6nlich sehr am Herzen.\ufeff<br>Gerade in den letzten Wochen sind meine Gedanken besonders oft bei den dort lebenden Menschen. Denn die mutigen Proteste der Kubaner k\u00f6nnen einen Wendepunkt f\u00fcr die Zukunft der Karibikinsel einleiten \u2013 hin zu Freiheit und Demokratie. Ich engagiere mich pers\u00f6nlich seit dem Jahr 2001 f\u00fcr die Opfer von Menschenrechtsverletzungen auf Kuba. Daher bedaure ich es sehr, dass ich heute \u2013 aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden \u2013 nicht selbst hier in Berlin zu Euch sprechen kann. Denn Euer Protest ist unser Protest!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als meine Frau und ich vor drei Jahren im Park von Santa Rita im Stadtteil Miramar von Havanna gemeinsam mit den \u201eDamen in Wei\u00df\u201c f\u00fcr die Freilassung von politischen Gefangenen demonstrierten, haben wir viele Menschen kennen gelernt, deren Engagement f\u00fcr Freiheit und Menschenrechte mit einem teuren pers\u00f6nlichen Preis erkauft wurde. Diese Angeh\u00f6rigen von Gefangenen und Demokratieaktivisten, die nie in ihrem Leben die Chance hatten ins Ausland zu reisen, haben uns pers\u00f6nlich sehr beeindruckt! Ihr Mut, ihre Zuversicht und ihre St\u00e4rke zeigen, dass in den Herzen dieser Kubaner die Freiheitsliebe wohnt. Sie lassen sich nicht einsch\u00fcchtern, sondern k\u00e4mpfen weiterhin friedlich f\u00fcr ihre Menschenrechte und f\u00fcr die ihrer Angeh\u00f6rigen. Ihr Schicksal und ihre Sehns\u00fcchte gleichen denen der vielen Kubaner, die in den vergangenen Wochen auf den Pl\u00e4tzen und Stra\u00dfen von Kuba f\u00fcr eine bessere demokratische Zukunft, f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Leben und gegen die Diktatur protestiert haben. Sie haben endg\u00fcltig genug von Unterdr\u00fcckung, falschen Versprechungen, Hunger, Armut und Verfolgung. Bei vielen Bildern und Videos, die \u00fcber die Sozialen Medien geteilt wurden, habe ich eine G\u00e4nsehaut bekommen. Es ist bewegend zu sehen, wie viele Menschen sich nun friedlich gegen die Diktatur stellen und lautstark protestieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird den Unterdr\u00fcckern letztlich nicht helfen, wenn sie nun ihre Parteimitglieder und Beg\u00fcnstigten in Bussen zu angeordneten Kundgebungen ankarrt, auf denen zur \u201eVerteidigung der Revolution\u201c aufgerufen wird. In Wahrheit will diese \u201eRevolution\u201c nur die korrupte Machtelite der Castristen verteidigen, die sich vor der demokratischen Herrschaft des Volkes f\u00fcrchtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einzelne Stimmen kann die Diktatur unterdr\u00fccken, aber viele Stimmen setzen ein Zeichen. Die Welt schaut nun auf Kuba und erf\u00e4hrt von der dramatischen Situation auf der Insel. Nun wird deutlich, dass das Regime in Havanna Angst hat vor jedem Kompromiss und Entgegenkommen. Es baut weiterhin auf die stalinistische Methode der Angstverbreitung, um sich an der Macht zu halten. Egal mit welchen Mitteln. Menschenrechte sind da nur im Weg. Jegliche Freiheit wird als Gefahr f\u00fcr das Regime angesehen. Denn in den Augen der kubanischen kommunistischen F\u00fchrung ist jeder Mensch verd\u00e4chtig, der sich nicht in den kommunistischen Massenorganisationen organisiert und keine Loyalit\u00e4tsbekundungen leistet. Intellektuelle, K\u00fcnstler und unabh\u00e4ngige Journalisten werden beobachtet, eingesch\u00fcchtert, drangsaliert und \u2013 wenn das alles nicht hilft \u2013 verhaftet, gefoltert und weggesperrt. Damit die Menschen sich nicht mehr verst\u00e4ndigen und organisieren k\u00f6nnen, wird immer wieder das Internet abgestellt und bekannte Regimekritiker systematisch blockiert. Trotzdem schaffen es viele, Bilder und Videos zu teilen und zu versenden. Wenn die klassischen Medien so gut wie gleichgeschaltet sind, sind die sozialen Medien umso wichtiger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die pers\u00f6nlichen Schicksale bewegen uns alle. Sie geben der dramatischen Menschenrechtssituation auf Kuba ein Gesicht: So liegt es noch nicht lange zur\u00fcck, dass Hamlet Lavastida, einer der bedeutendsten kubanischen K\u00fcnstler seiner Generation, hier in Berlin eine vielbeachtete Ausstellung zeigte. Vielleicht hat sie der ein oder andere von Euch damals gesehen. Hamlet ist Mitglied der Plattform 27N (27. November) \u2013 einer Bewegung von Intellektuellen, die demokratischen Wandel und Menschenrechte in Kuba fordern. Er nutzt seine Kunst als Mittel, um die Unterdr\u00fcckung auf Kuba anzuprangern und um gegen das autokratische Regime zu protestieren. Hamlet beendete einen k\u00fcnstlerischen Besuch in Berlin und flog am 21. Juni 2021 in seine Heimat zur\u00fcck. Obwohl er vollst\u00e4ndig geimpft war, wurde er in ein Quarant\u00e4nezentrum in Havanna gebracht. Dort nahm ihn die Polizei am 26. Juni fest. Man klagte ihn wegen \u201eAnstiftung zu einer Straftat\u201c an. Die kubanische Regierung macht ihn f\u00fcr die aktuellen Proteste im Land verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht die Jahrzehnte lange Misswirtschaft, die Menschenrechtsverletzungen und die Unterdr\u00fcckung der Kubaner sollen zu den Protesten gef\u00fchrt haben, sondern K\u00fcnstler wie Hamlet. Da kann man nur mit dem Kopf sch\u00fctteln und wie Ihr auf die Stra\u00dfe gehen \u2013 aus Solidarit\u00e4t f\u00fcr alle, die ihre Freiheit verloren haben, weil sie sich f\u00fcr die Freiheit aller Kubaner eingesetzt haben!Hamlet ist seitdem in der Villa Marista, dem kubanischen Stasigef\u00e4ngnis in Havanna, inhaftiert und hat kaum Kontakt zu seiner Familie und seinen Freunden. Sein 7-j\u00e4hriger Sohn Leo Lavastida bittet \u00fcber soziale Medien um die Freilassung seines Vaters. Leo und seine Mutter, die Dichterin Katherine Bisquet, leben in Polen und hoffen, bald wieder mit Hamlet vereint zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Kuba wird in Deutschland oft als Urlaubsparadies wahrgenommen. Hoffentlich tr\u00e4gt die Berichterstattung \u00fcber die Proteste dazu bei, dass das Bild realistischer wird. Denn jeder deutsche Tourist sollte bedenken, dass er als Urlauber Devisenbringer f\u00fcr die Machtelite eines Folterstaates ist. Was den sonnenhungrigen Urlaubern als Trauminsel pr\u00e4sentiert wird, ist ein Alptraum f\u00fcr die leidenden Menschen, besonders f\u00fcr die vielen politischen Gefangenen, die unter Mangelern\u00e4hrung, medizinischer und hygienischer Verwahrlosung und Folter leiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politischen Gefangenen werden oft in Zellen mit gef\u00e4hrlichen Kriminellen eingesperrt, die sie bedrohen und misshandeln. Die Gef\u00e4ngnisbeh\u00f6rden verbieten den politischen Gefangenen oft, Besuche ihrer Familien zu empfangen, verlegen sie in Haftanstalten weit entfernt von ihrem Heimatort und setzen ihre Familienmitglieder Schikanen aus. Politische Gefangene verbringen oft Monate in Einzelhaft, ihnen werden Kleidung weggenommen sowie die Essens- und Wasserrationen gek\u00fcrzt. Ehemalige politische Gefangene berichten von grausamen Foltermethoden, wie dem \u201eLa Shakira\u201d, bei der die Person mit Ketten an Armen und H\u00fcfte aufgeh\u00e4ngt wird. Immer \u00f6fter h\u00f6ren wir auch von Personen, die der \u201epatrulla horno\u201c ausgesetzt waren. Hierbei werden die Opfer stundenlang unter der prallen Sonne in einem Polizeiwagen eingesperrt \u2013 ohne Wasser oder Luftzufuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrfach und zum Teil \u00fcber Jahre aus politischen Gr\u00fcnden inhaftiert wurde der Demokratieaktivist Jose Daniel Ferrer. Als Gefangener des Schwarzen Septembers 2003 wurde er mit 74 anderen B\u00fcrgerrechtlern f\u00fcr Jahre weggesperrt und war unter schlimmsten Umst\u00e4nden inhaftiert. Nach seiner vom Vatican mit Kuba ausgehandelten Haftentlassung 2010 war er einer der wenigen politischen Gefangenen, die sich weigerten ins Exil zu gehen. Die von ihm gegr\u00fcndete Demokratiebewegung UNPACU ist die wichtigste Organisation der freiheitsliebenden Kubaner. Deshalb sind die UNPACU-Aktivisten st\u00e4ndig einem hohen Verfolgungsdruck ausgesetzt und stellen einen hohen Anteil unter den politischen Gefangenen. Jose Daniel Ferrer ist seit den Protesten vom 12. Juli \u201everschwunden\u201c. Menschenrechtsverteidiger auf Kuba sagen, er wurde von der castristischen Staatssicherheit verschleppt und wird an unbekanntem Ort gefangenen gehalten. Wir fordern die sofortige Freilassung von Ferrer, die Freilassung, von allen politischen Gefangenen und von allen Teilnehmern der Juli-Proteste. Wir fordern Wiedergutmachung f\u00fcr die Opfer von Gewalt und Freiheitsberaubung sowie Anklage und Bestrafung der T\u00e4ter!<\/p>\n\n\n\n<p>Mangelwirtschaft, Verfolgung von Andersdenkenden, Unbelehrbarkeit, Inkompetenz und die&nbsp;Korruption der alleinregierenden Kommunistischen Partei haben die Menschen in Kuba auf die Stra\u00dfe gebracht. Sie haben genug von einem Leben, das von Trostlosigkeit, Verfolgung und Gewalt gekennzeichnet ist. Von Berlin aus setzen wir nun ein Zeichen nach Kuba. An alle, die friedlich f\u00fcr Freiheit und Menschenrechte protestieren und an alle, die willk\u00fcrlich inhaftiert wurden: Wir stehen an Eurer Seite! Wir fordern die deutsche Regierung, die EU und die internationale Gemeinschaft auf, sich f\u00fcr die Freilassung der politischen Gefangenen einzusetzen und die B\u00fcrgerrechtsbewegung auf Kuba zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Martin Luther King einst sagte: \u201eThe time is always right to do what is right\u201c. Nun ist diese Zeit f\u00fcr Kuba. Freiheit f\u00fcr Kuba, Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>L I B E R T A D !&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe,<br>Martin Lessenthin<br>Vorstandssprecher der IGFM-Internationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte,<br>Mitglied im Kuratorium des DIMR- Deutsches Instituts f\u00fcr Menschenrechte<br>und Botschafter f\u00fcr Menschenrechte auf Kuba<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gru\u00dfwort an die Teilnehmer der Kundgebung\u201eCantada f\u00fcr die Freiheit\u201c am 25. Juli 2021 in Berlin Liebe Freundinnen und Freunde, Kuba liegt mir pers\u00f6nlich sehr am Herzen.\ufeffGerade in den letzten Wochen sind meine Gedanken besonders oft bei den dort lebenden Menschen. 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