{"id":1940,"date":"2021-08-12T15:08:21","date_gmt":"2021-08-12T15:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1940"},"modified":"2021-08-13T06:23:28","modified_gmt":"2021-08-13T06:23:28","slug":"50-jahre-mauerbau-mahnung-zum-schutz-von-freiheit-und-menschenrechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=1940","title":{"rendered":"60 Jahre Mauerbau \u2013 Mahnung zum Schutz von Freiheit und Menschenrechten"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">60 Jahre Mauerbau \u2013 Mahnung zum Schutz von Freiheit und Menschenrechten<\/h1>\n\n\n\n<p>Martin Lessenthin 12.08.2021<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mauerbau j\u00e4hrt sich nun zum 60. Mal und man k\u00f6nnte denken, solch ein Vorgehen ist Geschichte. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.theeuropean.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/22216481.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Ostberliner Maurer bauen am 26.05.1962 unter strenger Bewachung von DDR-Grenzsoldaten. Foto: picture-alliance \/ dpa | dpa<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eNiemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!\u201c \u2013 als DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz am 1. Juni 1961 vehement leugnete, was zweieinhalb Monate sp\u00e4tere traurige Realit\u00e4t wurde, wusste er schon: Nur eine radikale Ma\u00dfnahme konnte den Unrechtsstaat DDR noch vor dem Kollaps bewahren. Denn jeden Monat flohen tausende Menschen \u00fcber Berlin in den Westen. Darunter viele Facharbeiter und Akademiker. Heute w\u00fcrde man sagen, es fand ein gro\u00dfer \u201eBrain Drain\u201c statt \u2013 also die Abwanderung \u2013 oder in diesem Falle Flucht \u2013 von gut Ausgebildeten. Am 13. August 1961 wusste sich das DDR-Regime nicht mehr anders zu helfen, als rund 16 Millionen Menschen einzusperren. Damit sie nicht davonlaufen und dem Sozialismus nicht f\u00fcr den Kapitalismus den R\u00fccken kehren. Erst kamen Z\u00e4une und Stacheldraht, dann die Mauer \u2013 die das Volk der DDR f\u00fcr etwa drei Jahrzehnte im eigenen Land einsperrte. Was ist das f\u00fcr ein Armutszeugnis f\u00fcr eine Regierung, wenn sie ihr eigenes Volk einmauert? Familien \u00fcber Jahrzehnte trennt? Fl\u00fcchtende erschie\u00dft? Andersdenkende einsperrt? Die eigene Bev\u00f6lkerung bespitzelt?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mauerbau j\u00e4hrt sich nun zum 60. Mal und man k\u00f6nnte denken, solch ein Vorgehen ist Geschichte. Ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte, \u00fcber das man nicht mehr reden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahrheit ist: Wir m\u00fcssen dar\u00fcber reden! Denn leider sehnen sich Unbelehrbare auch 60 Jahre nach dem Mauerbau nach DDR-Sozialismus, leugnen und verharmlosen die Verbrechen des sozialistischen Staates auf deutschem Boden oder sympathisieren mit totalit\u00e4ren Regimen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider bestehen im 21. Jahrhundert weiterhin Staaten, f\u00fcr die Menschenrechte ein Fremdwort sind. Deren Regime sich mit Hilfe gef\u00e4lschter Wahlen, Unterdr\u00fcckung von Demokratiebewegungen, Inhaftierung von Oppositionellen und Gewalt an der Macht halten. Wir m\u00fcssen nur die Zeitung aufschlagen oder die Nachrichten anschauen. Dort erfahren wir, dass der Langzeitdiktator Lukaschenko in Belarus nach seiner manipulierten Wiederwahl friedliche Massenproteste brutal niederschl\u00e4gt. Dass der Kremlkritiker Alexei Nawalny in Russland nur mit Gl\u00fcck einen Giftanschlag \u00fcberlebt hat und jetzt in einem Straflager gepeinigt wird. Dass Xi Jinping \u00fcber eine Millionen Uiguren in so genannten \u201eUmerziehungslagern\u201c, die in Wahrheit Konzentrationslager sind, inhaftiert und friedliche Tibeter foltern l\u00e4sst. Dass im Iran Frauen verhaftet werden, die sich gegen den Kopftuchzwang stellen. Dass der nordkoreanische Diktator Kim Jung-un sein Volk hungern und zu Tode foltern l\u00e4sst, dessen Freiheitsrechte rigoros einschr\u00e4nkt und ein ganzes Land systematisch von der Welt isoliert. Dass der kubanische Diktator D\u00edaz-Canel jeden seiner Landsleute willk\u00fcrlich inhaftiert und zu langen Haftstrafen verurteilt, der die Zust\u00e4nde im Land offen kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom August 1961 bis zum Mauerfall wurden in der DDR mehr als eine Viertelmillion Frauen und M\u00e4nner aus politischen Gr\u00fcnden inhaftiert. Viele mussten lange Haftstrafen verb\u00fc\u00dfen. Weil sie fl\u00fcchten wollten und von Nachbarn, Arbeitskollegen, vermeintlichen Freunden oder gar der eigenen Familie verraten wurden. Weil sie anderen bei der Flucht halfen. Oder weil sich offen gegen das Regime stellten. Die DDR ist Geschichte, die menschenverachtenden Praktiken des DDR-Regimes leider nicht. Sie leben weiter und werden von Autokratien und Diktaturen zum Machterhalt genutzt. Darum sollten wir den 60. Jahrestag des Mauerbaus nutzen, um zum Schutz der Menschenrechte weltweit aufzurufen. Kein Volk darf eingemauert werden \u2013 weder mit Stacheldraht, Z\u00e4unen oder Ziegelsteinen noch deren Meinungen, Br\u00e4uche oder Kulturen. Von nun an muss es hei\u00dfen: \u201eNiemand wird eine Mauer errichten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>*Unser Autor der Politologe und Historiker Martin Lessenthin ist Vorstandssprecher der IGFM \u2013 Internationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte und Mitglied im Kuratorium des DIMR \u2013 Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung in The European&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.theeuropean.de\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.theeuropean.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>60 Jahre Mauerbau \u2013 Mahnung zum Schutz von Freiheit und Menschenrechten Martin Lessenthin 12.08.2021 Der Mauerbau j\u00e4hrt sich nun zum 60. Mal und man k\u00f6nnte denken, solch ein Vorgehen ist Geschichte. \u201eNiemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!\u201c \u2013 als DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz am 1. 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