{"id":2013,"date":"2021-10-06T07:28:29","date_gmt":"2021-10-06T07:28:29","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2013"},"modified":"2021-10-06T07:45:14","modified_gmt":"2021-10-06T07:45:14","slug":"schweigen-ist-fuer-uns-keine-option-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2013","title":{"rendered":"Schweigen ist f\u00fcr uns keine Option mehr"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Schweigen ist f\u00fcr uns keine Option mehr<\/h1>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die neue Kunstscene ist ein dynamischer Teil der Demokratiebewegung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Kubas Machthaber und die regimetreuen etablierten K\u00fcnstler erleben eine neue Herausforderung durch K\u00fcnstler, die es wagen an den Tabus der seit 1960 alleinherrschenden kubanischen Kommunisten zu r\u00fctteln. Die K\u00fcnstler kritisieren Stagnation, Korruption und das Monopol der Kommunisten. Im Juli dieses Jahres beteiligen sie sich an den Protesten gegen die Diktatur. Im BfM-Interview erl\u00e4utert die kubanische Kulturwissenschaftlerin Omara Ruiz Urciola, was die K\u00fcnstler auf der Insel ver\u00e4ndern wollen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Frau Ruiz, Sie unterst\u00fctzen die San Isidro-Bewegung regimekritischer kubanischer K\u00fcnstler. Gibt es heute eine staatsunabh\u00e4ngige Kunstszene auf Kuba, die den F\u00fchrungsanspruch der kommunistischen Partei infrage stellt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es gibt eine neue Generation von K\u00fcnstlern und Intellektuellen, die nicht mehr bereit ist den Einschr\u00e4nkungen und Regeln der staatlichen Kulturorganistionen zu folgen. Die Regeln und Grenzen, die diese staatlichen Stellen vorgeben, werden immer strenger und enger, f\u00fcr Meinungs- und Kunstfreiheit gibt es \u00fcberhaupt keinen Platz. K\u00fcnstler, die sich diesen Regeln unterwerfen produzieren keine Kunst, sondern Propaganda. Diese ist mal mehr oder wenig aufwendig, aber immer ziemlich kraftlos. Vor der San Isidro Bewegung (MSI) gab es schon andere Versuche eine freie Kunst zu schaffen, allerdings ist es damals nicht gelungen das Volk und die einfachen Leute zu bewegen und zu begeistern. Das MSI schafft dies jedoch. Diese soziale Dimension der Kunst des MSI ist etwas vollkommen Neues f\u00fcr Kuba. Sie fordert nicht nur das Regime heraus, sondern auch die etablierten K\u00fcnstler und Intellektuellen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/PHOTO-2021-10-05-15-13-54.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2015\" width=\"354\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/PHOTO-2021-10-05-15-13-54.jpg 768w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/PHOTO-2021-10-05-15-13-54-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><figcaption><strong>Omara Ruiz Urciola<\/strong>, <strong>\u00a0kubanische Kulturwissenschaftlerin<\/strong><br>Bilder von Marisol Rodriguez<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Gibt es eine neue politische Opposition, die von K\u00fcnstlern initiiert ist?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die gibt es definitiv. Neben dem MSI gibt es noch die Bewegung des 27. Novembers die als Reaktion auf die Unterdr\u00fcckung des MSI entstanden ist. Auch diese Bewegung wird \u00fcberwiegend von K\u00fcnstlern getragen. Dann gab es in letzter Zeit mehrere Protestsongs kubanischer Musiker, die gegen das Regime gerichtet sind. Der bekannteste von ihnen ist das Lied Patria y Vida. Es gibt einfach neue Formen, Unzufriedenheit auszudr\u00fccken und es geht darum, im Alltagsleben Zeichen gegen das Regime zu setzen. Wir geben unsere Identit\u00e4t nicht auf, aber wir nutzen unsere Ausbildung, um soziale Ver\u00e4nderungen zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Ziele verfolgt die San Isidro-Bewegung? Ist San Isidro ein Teil der Demokratiebewegung auf Kuba?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Beim MSI geht es nicht nur darum ein Zeichen gegen die kommunistische Diktatur und Unterdr\u00fcckung zu setzen, sondern um viel mehr.&nbsp; Das MSI tritt aktiv f\u00fcr ein inklusiveres Zusammenleben und die Modernisierung einer sehr altmodischen Gesellschaft ein, die sich durch Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und ganz allgemein durch einen gravierenden Mangel an Toleranz auszeichnet. Somit ist das MSI selbstverst\u00e4ndlich ein Teil der Demokratiebewegung auf Kuba. Man kann sogar sagen dass es ihr neues Leben eingehaucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selber geh\u00f6re nicht dem MSI an, aber deren Vision f\u00fcr eine inklusive Gesellschaft interessiert mich sehr, daran arbeite auch ich. Ich beteilige mich auch auf Grund meiner Freundschaft mit Luis Manuel Ortero Alcantara, wir haben dieselben Ziele. Wir m\u00f6chten dasselbe Gesellschaftsmodell f\u00fcr Kuba erreichen. Ich denke auch, dass es wichtig ist die Menschen durch Kunst zu motivieren und ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen. So k\u00f6nnen sie jenseits der Strapazen des kubanischen Alltags eine neue Sicht auf die Dinge erhalten. Diese Ziele des MSIs sind auch meine Ziele. Sie setzen sich f\u00fcr das Kuba ein, das ich sehen m\u00f6chte. F\u00fcr dieses neue Kuba habe ich meine Sicherheit aufgegeben und riskiere mein Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kubas Machtelite tut alles, um Stimmen von Diktatur-Kritikern wie Daniel Ferrer, Felix Navarro, Guillermo Farinas oder die Damen in Wei\u00df zum Schweigen zu bringen. Macht es da Sinn, wenn auch K\u00fcnstler sich in Gefahr begeben und selbst zu politischen Gefangenen werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Niemand m\u00f6chte sich in Gefahr begeben, aber&nbsp;<a>Schweigen ist f\u00fcr uns mittlerweile keine Option mehr<\/a>. Wenn man sich einmal dazu entschieden hat den Mund aufzumachen, entscheidet man sich auch f\u00fcr eine Repression, die immer schlimmer wird. Aber dar\u00fcber denkt man nicht nach, um nicht den Mut zu verlieren. Wir wollen uns nicht auf unseren Aktivismus reduzieren lassen. Wir lachen und leben, aber das gef\u00e4llt nicht Allen. Selbst Menschen, die unsere politische Einstellung teilen, hinterfragen manchmal unsere lebenslustige Art<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Juli-Proteste haben gezeigt, wie gro\u00df die und Zufriedenheit und die Wut der Kubaner auf die Diktatur ist. Denken Sie, dass ich solche Proteste wiederholen werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich nach der Lehre der Politikwissenschaft richtet, wird es weitere Proteste geben. Denn die notwendigen Bedingungen f\u00fcr Proteste bestehen weiterhin. Zur Zeit gibt es einen Aufruf f\u00fcr eine Demonstration gegen die Gewalt. Die kubanische Zivilgesellschaft ist erwacht und es wird unm\u00f6glich sein, sie wieder einschlafen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Vision haben Sie f\u00fcr das Kuba der Zukunft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Kuba der Zukunft ist f\u00fcr mich eine souver\u00e4ne Republik mit einer sozialen, demokratischen Staatsform. Ich bin nicht an einem ungez\u00fcgeltem Neoliberalismus interessiert, der die Ausbeutung unserer Ressourcen favorisiert und uns wehrlos gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Investoren macht. Der Kommunismus hat uns ruiniert und wir m\u00fcssen uns behutsam der Welt \u00f6ffnen. Wir Kubaner k\u00f6nnen nicht st\u00e4ndig nur die Verlierer sein.&nbsp; Sechs&nbsp; Jahrzehnte Kommunismus haben uns blind werden lassen, das Regime hat unser Land zerst\u00f6rt und uns zu Bettlern werden lassen. Wir brauchen den Neuanfang, und wir m\u00fcssen uns untereinander einig sein, um nicht in die Falle der Naivit\u00e4t zu tappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fragen stellte Fernando Rivas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweigen ist f\u00fcr uns keine Option mehr Die neue Kunstscene ist ein dynamischer Teil der Demokratiebewegung Kubas Machthaber und die regimetreuen etablierten K\u00fcnstler erleben eine neue Herausforderung durch K\u00fcnstler, die es wagen an den Tabus der seit 1960 alleinherrschenden kubanischen Kommunisten zu r\u00fctteln. Die K\u00fcnstler kritisieren Stagnation, Korruption und das Monopol der Kommunisten. Im Juli [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2014,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,38],"tags":[],"class_list":["post-2013","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kuba","category-meinung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2013","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2013"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2013\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2020,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2013\/revisions\/2020"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2014"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}