{"id":2502,"date":"2022-07-29T19:26:49","date_gmt":"2022-07-29T19:26:49","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2502"},"modified":"2022-07-29T19:41:57","modified_gmt":"2022-07-29T19:41:57","slug":"widerstand-per-laptop-wie-softwareentwickler-und-it-spezialisten-die-ukrainische-wirtschaft-inmitten-eines-krieges-am-laufen-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2502","title":{"rendered":"Widerstand per Laptop: Wie Softwareentwickler und IT-Spezialisten die ukrainische Wirtschaft inmitten eines Krieges am Laufen halten"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Widerstand per Laptop: Wie Softwareentwickler und IT-Spezialisten die ukrainische Wirtschaft inmitten eines Krieges am Laufen halten<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Trotz vieler Herausforderungen, zu denen auch eine fehlende Stromversorgung oder die st\u00e4ndigen Luftschutzsirenen geh\u00f6ren, hat sich der ukrainische IT-Dienstleistungssektor als bemerkenswert widerstandsf\u00e4hig erwiesen \u2013 sehr&nbsp; zur Erleichterung der digitalen Wirtschaft des Westens.<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Eine endlose Reihe \u00fcberf\u00fcllter Autos staute sich Ende Februar dieses Jahres von der polnischen Grenze zur\u00fcck in die Ukraine. Unz\u00e4hlige Familien, die meisten ohne V\u00e4ter oder S\u00f6hne im Alter zwischen 18 und 60 Jahren \u2013 die zu diesem Zeitpunkt durch das Kriegsrecht innerhalb der ukrainischen Grenzen eingeschlossen waren \u2013 bahnten sich m\u00fchsam, oft frierend und hungernd, ihren Weg in die Sicherheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die ukrainischen Stra\u00dfen, die&nbsp; in Richtung Polen und in die Slowakei im Westen sowie nach Moldawien im S\u00fcdwesten f\u00fchren, waren ebenfalls \u00fcberf\u00fcllt \u2013 und zwar nur in einer Richtung: weg von den einmarschierenden russischen Truppen sowie den auf die Fl\u00fcchtenden fallenden Bomben, Raketen und Granaten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Russland hatte eine&nbsp; t\u00f6dliche Invasion des kompletten Landes gestartet. Es war der \u00dcberzeugung, dass es die Ukraineschnell und entschlossen in ihre politische Einflusszone zur\u00fcckf\u00fchren oder ganz verschlucken k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland lag falsch. Die ukrainische Armee und der ukrainische Zivilschutz, bestehend aus Freiwilligen mit sehr unterschiedlichem milit\u00e4rischem Ausbildungsstand, haben der Invasion mit all ihren M\u00f6glichkeiten standgehalten. Als in den ersten Tagen und Wochen jedoch gro\u00dfe Teile des Landes von Invasionskr\u00e4ften besetzt wurden, deren Ziel es war, Kiew rasch zu st\u00fcrzen, sah die Lage d\u00fcster und extrem gef\u00e4hrlich aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb eines Monats verlie\u00dfen 4 Millionen Fl\u00fcchtlinge, zumeist Frauen und Kinder, die Ukraine und brachten sich in befreundeten Nachbarl\u00e4ndern wie Polen oder in Westeuropa in Sicherheit. Dies entspricht einem Zehntel der Vorkriegsbev\u00f6lkerung von 41 Millionen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"469\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unbenannt-1024x469.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2509\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unbenannt-1024x469.jpg 1024w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unbenannt-300x138.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unbenannt-768x352.jpg 768w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unbenannt.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Im ganzen Land gibt es Hunderttausende von ukrainischen IT-Fachkr\u00e4ften, die Web- und Softwareanwendungen f\u00fcr haupts\u00e4chlich westliche Unternehmen und Organisationen entwickeln oder verwalten.<br><strong>Quelle:<\/strong> Krusche &amp; Company GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Gegen den Strom<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang M\u00e4rz reiste jedoch ein Ukrainer in die entgegengesetzte Richtung und machte sich vom polnischen Krakau auf den Weg zur ukrainischen Grenze. Sein Name war Dmitriy M. (sein Nachname soll nicht genannt werden) und er hatte seine Frau und zwei Kinder in Krakau zur\u00fcckgelassen, wo die Familie inzwischen lebte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dmitriy ist Softwareentwickler und war vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Polen gezogen, als er anfing, f\u00fcr das in M\u00fcnchen ans\u00e4ssige IT-Outsourcing-Unternehmen K&amp;C (Krusche &amp; Company) z u arbeiten. Nun kehrte er allein in seine Heimat zur\u00fcck \u2013 im Gegensatz zu Hunderttausenden seiner ukrainischen Landsleute, die in die entgegengesetzte Richtung flohen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der ukrainischen M\u00e4nner, die aufgrund des Kriegsrechts das Land nicht verlassen durften, um notfalls in die ukrainische Armee einzutreten, akzeptierten ihr Schicksal stoisch und entschlossen. Doch nur wenige, die sich zum Zeitpunkt des russischen Einmarsches mit ihren Familien im Ausland aufhielten, h\u00e4tten eine freiwillige R\u00fcckkehr in Erw\u00e4gung gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Dmitriy tat es, getrieben von einem Gef\u00fchl der Verpflichtung gegen\u00fcber seinen Angeh\u00f6rigen, darunter viele Senioren, die im besetzten Land zur\u00fcckgeblieben waren. Auch wollte er sich der Verantwortung stellen, den anderen Ukrainern zu helfen, die zur Verteidigung des Landes geblieben waren. Also ging er zur\u00fcck, weg von seinen kleinen Kindern, seiner Frau und seiner Arbeit, hinein ins Krisengebiet.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Monate sp\u00e4ter ist Dmitriy immer noch in der Ukraine und kann das Land nicht mehr verlassen. In den ersten Wochen half er Familienmitgliedern, die Hilfe brauchten, sowohl finanziell wie praktisch, und arbeitete aktiv mit den Freiwilligen der Zivilschutztruppe zusammen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem der Krieg in eine neue Phase \u00fcbergegangen ist und sich weitgehend auf die Frontlinien in der \u00f6stlichen Donbas-Region konzentriert, ist Dmitriy zu seiner regul\u00e4ren Arbeit zur\u00fcckgekehrt und tr\u00e4gt zur Entwicklung strategisch wichtiger Webanwendungen f\u00fcr ein an der B\u00f6rse notiertes deutsches Unternehmen bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich Mitte Juni mit ihm sprach, sagte er, dass er zu dem Entschluss gekommen war, dass der wichtigste Beitrag, den er zu den Kriegsanstrengungen leisten k\u00f6nnte, darin bestehe, zu seiner normalen Arbeit zur\u00fcckzukehren, nachdem die erste Phase des Krieges vor\u00fcber sei und die russischen Truppen aus vielen Regionen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt worden seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise w\u00fcrde er weiterhin das gute Gehalt eines erfahrenen Softwareentwicklers verdienen, das er sich durch seine berufliche Laufbahn erarbeitet hatte. Au\u00dferdem k\u00f6nnte er das Geld, das nach der Versorgung seiner Familie \u00fcbrig bliebe, f\u00fcr Kriegszwecke spenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dmitriy befindet sich derzeit in einer kleinen Stadt innerhalb der Ukraine, die sich in ausreichender Entfernung von den K\u00e4mpfen an der Front befindet und aktuell nicht von russischen Luft- oder Raketenangriffen betroffen ist. Seit Ende April hat er sich wieder an seinen Arbeitsrhythmus als Frontend-Softwareentwickler gew\u00f6hnt und arbeitet remote von seiner Mietwohnung aus. Au\u00dferhalb der Arbeitszeit tut er weiterhin, was er kann, um seinen Verwandten &nbsp;zu helfen. Dabei ist er sich nicht sicher, wann er seine junge Familie in Krakau wiedersehen wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Sergei.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2504\" width=\"472\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Sergei.jpg 392w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Sergei-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Einer der ukrainischen IT-Fachleute ist der K&amp;C-Mitarbeiter Sergej Bondarenko, ein leitender QS-Techniker, der f\u00fcr ein in London ans\u00e4ssiges FTSE 100-Unternehmen an digitalen Projekten arbeitet. Er befand sich zu Beginn des russischen Angriffs in unmittelbarer N\u00e4he der Front. Er arbeitet in Sumy, einer mittelgro\u00dfen Stadt mit einer Vorkriegsbev\u00f6lkerung von etwa 260.000 Einwohnern.<br><strong>Quelle:<\/strong> Krusche &amp; Company GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Die Bedeutung der ukrainischen IT-Fachkr\u00e4fte f\u00fcr die digitale Wirtschaft des Westens \u2013 und den Kriegseinsatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dmitriy ist bei weitem nicht der einzige ukrainische IT-Fachmann, der remote arbeitet. Im ganzen Land gibt es Hunderttausende von ukrainischen IT-Fachkr\u00e4ften, die Web- und Softwareanwendungen f\u00fcr haupts\u00e4chlich westliche Unternehmen und Organisationen entwickeln oder verwalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00e4higkeiten dieser Mitarbeiter sowie ihre gro\u00dfe Zahl sind f\u00fcr die digitale Wirtschaft des Westens absolut unerl\u00e4sslich. Die Geh\u00e4lter, die sie erwirtschaften (6000-8000 Euro pro Monat sind f\u00fcr einen erfahrenen Softwareentwickler keine Seltenheit, selbst bei Remote-Arbeit), sowie die von ihnen gezahlten Steuern sind f\u00fcr die ukrainische Kriegswirtschaft unverzichtbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus spenden viele gro\u00dfz\u00fcgig f\u00fcr Wohlt\u00e4tigkeitsorganisationen, die die Kriegsanstrengungen unterst\u00fctzen, indem sie Ausr\u00fcstung f\u00fcr die Soldaten und die Freiwilligen des Zivilschutzes kaufen, die Russlands gewaltige Kriegsmaschinerie aufzuhalten versuchen. Zudem werden zivile Einrichtungen unterst\u00fctzt, um den Millionen von Ukrainern zu helfen, die nun nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten und dementsprechend kein regelm\u00e4\u00dfiges Einkommen &nbsp;wie vor dem Krieg mehr erzielen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle haben die M\u00f6glichkeit, mobil zu arbeiten, sobald ihnen ein ruhiger Raum, ein Laptop und ein Internetanschluss zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Der IT-Sektor der Ukraine, der vor dem Krieg absolut florierte, bietet jedoch diesen Vorteil. Er hat sich bei der Bew\u00e4ltigung der Kriegsrealit\u00e4t auf dem Territorium des Landes als ebenso &#8222;agil&#8220; erwiesen wie die Fachkr\u00e4fte bei der Entwicklung digitaler Produkte, welche nach wie vor einen Motor der lokalen und globalen Wirtschaft darstellen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Einmarsch Russlands verf\u00fcgte die Ukraine \u00fcber sch\u00e4tzungsweise 289.000 IT-Fachkr\u00e4fte und damit \u00fcber einen der h\u00f6chsten Best\u00e4nde an Softwareentwicklern in Europa. Direkt oder indirekt \u00fcber IT-Outsourcing-Dienstleister sind zahlreiche westeurop\u00e4ische und nordamerikanische Unternehmen auf Softwareentwickler und andere <a href=\"https:\/\/kruschecompany.com\/de\/nearshore-it-outsourcing-ukraine\/\">IT-Experten aus der Ukraine<\/a> angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Branchenberichten zufolge sind 75 % der Fachkr\u00e4fte M\u00e4nner, von denen sich die gro\u00dfe Mehrheit noch in der Ukraine aufh\u00e4lt. Einige von ihnen sind in den aktiven Milit\u00e4rdienst eingetreten, entweder in die regul\u00e4re Armee oder in die zivilen territorialen Verteidigungsdienste, die meisten arbeiten jedoch normal weiter. Dabei sind einige n\u00e4her an den Kriegsschaupl\u00e4tzen als andere.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2507\" width=\"-226\" height=\"-339\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-682x1024.jpg 682w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-768x1152.jpg 768w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko1-1-scaled.jpg 1706w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><figcaption>Sergej sowie seine Frau entschieden sich daf\u00fcr, in Sumy zu bleiben, statt aus dem gef\u00e4hrlichen Grenzgebiet zu Russland nach Westen zu fahren, zumal sie ein Baby haben, das zum Zeitpunkt des Einmarsches erst wenige Wochen alt war.<br><strong>Quelle:<\/strong> Krusche &amp; Company GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>IT-Dienstleistungen \u2013 eine Wachstumsindustrie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem Bericht &#8222;Tech Ukraine 2021&#8220; f\u00fchrte das Land im Jahr vor der Invasion IT-Dienstleistungen im Wert von sch\u00e4tzungsweise 7 Milliarden Dollar aus. Das entspricht etwa dem Doppelten der Einnahmen aus dem Gas\u00fcbertragungsnetz, das durch das Land verl\u00e4uft und russisches Gas in den europ\u00e4ischen Raum transportiert. Die Exporte von IT-Dienstleistungen waren au\u00dferdem zweimal so hoch wie der Gesamtwert des ukrainischen Maschinenbausektors und entsprachen einem Viertel der Agrarexporte, des gr\u00f6\u00dften Wirtschaftszweigs des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00e4hrend der Export von Nahrungsmitteln und Rohstoffen im Jahr 2020 um 8,9 % zunahm, lag das Wachstum der Exporte von IT-Dienstleistungen bereits bei 24,7 %. Der Wert der ukrainischen IT-Exporte hatte sich in den drei Jahren bis 2020 verdoppelt. \u00d6ffentliche Informationsquellen sch\u00e4tzen das Wachstum der ukrainischen IT-Dienstleistungsexporte auf 35 % allein in den ersten drei Quartalen des &nbsp;Jahres 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Export von IT-Dienstleistungen trug in den letzten Jahren entscheidend zum allgemeinen Wirtschaftswachstum der Ukraine bei. Das schnelle Wachstum hat zu einer verst\u00e4rkten Zusammenarbeit zwischen westlichen Unternehmen und ukrainischen IT-Fachkr\u00e4ften gef\u00fchrt, wobei viele dieser Unternehmen dringend auf diese Fachkr\u00e4fte angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer vom Krieg zerr\u00fctteten Wirtschaft, in der viele Sektoren, insbesondere die Landwirtschaft, schwer gesch\u00e4digt sind (die Weltbank prognostiziert einen R\u00fcckgang der ukrainischen Wirtschaft um 45 % in diesem Jahr), ist das Fortbestehen des IT-Dienstleistungssektors au\u00dferdem absolut essentiell \u2013sowohl f\u00fcr die Steuereinnahmen des Landes als auch f\u00fcr die lokale Wirtschaft. Die Geh\u00e4lter der ukrainischen Softwareentwickler sichern heute oft den Lebensunterhalt ganzer Familien und bringen viel Geld in die Kassen der lokalen Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ukrainischen Berggebiet der Karpaten beispielsweise arbeiten viele IT-Fachkr\u00e4fte von zu Hause aus, so Ivan Nevmerzhytskyi, ein weiterer IT-Fachmann von K&amp;C, der in Dnipro wohnt und von dort aus arbeitet. Sie generieren ein wertvolles Einkommen f\u00fcr Hotels, Pensionen und andere lokale Unternehmen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr IT-Fachkr\u00e4fte, die in St\u00e4dten wie Ivans Heimatstadt Dnipro oder anderen St\u00e4dten leben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2505\" width=\"704\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko2.jpg 504w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Familie_Bondarenko2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px\" \/><figcaption>Seit der R\u00fcckeroberung der Stadt sowie der Region durch die ukrainischen Streitkr\u00e4fte und der Wiederherstellung der Stromversorgung geht Sergej wieder seiner regul\u00e4ren Arbeit nach. Er erkl\u00e4rt, dass ihm die achtst\u00fcndige Arbeitszeit dabei hilft, sich vom Krieg abzulenken, sich um sein kleines Kind zu k\u00fcmmern und Spenden f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke zu t\u00e4tigen.<br><strong>Quelle:<\/strong> Krusche &amp; Company GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Arbeitsplatz Sumy: IT Dienstleistungen in schwierigen Kriegszeiten&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ivans K&amp;C-Kollege Sergei Bondarenko, ein leitender QS-Techniker, der f\u00fcr ein in London ans\u00e4ssiges FTSE 100-Unternehmen an digitalen Projekten arbeitet, befand sich zu Beginn des russischen Angriffs in unmittelbarer N\u00e4he der Front. Er arbeitet in Sumy, einer mittelgro\u00dfen Stadt mit einer Vorkriegsbev\u00f6lkerung von etwa 260.000 Einwohnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, im Nordosten der Ukraine gelegen, wurde Sumy am ersten Tag des Krieges angegriffen und zeitweise besetzt \u2013 bis zum 8. April, an dem die russischen Truppen aus der Stadt und der Region zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden. Seitdem konnten die Truppen im Grenzgebiet zur\u00fcckgehalten werden, wobei sich die meisten aktiven K\u00e4mpfe derzeit auf die weiter s\u00fcdlich gelegene Region Donbas konzentrieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sergej sowie seine Frau entschieden sich daf\u00fcr, in Sumy zu bleiben, statt aus dem gef\u00e4hrlichen Grenzgebiet zu Russland nach Westen zu fahren, zumal sie ein Baby haben, das zum Zeitpunkt des Einmarsches erst wenige Wochen alt war. Irgendwann machten sie sich dann doch auf den Weg, kehrten aber um, als klar wurde, dass sie in einem 15-st\u00fcndigen Stau au\u00dferhalb der Stadt feststecken w\u00fcrden. Sie bef\u00fcrchteten, dass sie bei Angriffen leichte Ziele werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Sumy nicht mit Strom versorgt wurde, konnte Sergej nach der Invasion etwa einen Monat lang nicht arbeiten. In dieser Zeit meldete er sich freiwillig zu den zivilen Streitkr\u00e4ften und erledigte, was immer von ihm verlangt wurde. Au\u00dferdem brachten er und seine Freunde regelm\u00e4\u00dfig Lebensmittel und andere Hilfsg\u00fcter wie Zigaretten zu den Soldaten an die Front, welche nur eine halbe Autostunde entfernt war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der R\u00fcckeroberung der Stadt sowie der Region durch die ukrainischen Streitkr\u00e4fte und der Wiederherstellung der Stromversorgung geht Sergej wieder seiner regul\u00e4ren Arbeit nach. Er erkl\u00e4rt, dass ihm die achtst\u00fcndige Arbeitszeit dabei hilft, sich vom Krieg abzulenken, sich um sein kleines Kind zu k\u00fcmmern und Spenden f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke zu t\u00e4tigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er begr\u00fc\u00dft die Solidarit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t, welche die westlichen Arbeitgeber den ukrainischen IT-Fachleuten entgegenbringen, beispielsweise indem sie ihnen w\u00e4hrend der Zeit zu Kriegsbeginn, in der sie nicht arbeiten konnten, ihr Gehalt weitergezahlt haben. Au\u00dferdem erlauben sie inzwischen flexible Arbeitszeiten, die den Luftschutzsirenen Rechnung tragen (auf die Sergey nun nicht mehr unbedingt mit dem Gang in den Luftschutzkeller reagiert, sondern bei geringer Gefahr manchmal auch in der Wohnung im zweiten Stockwerk bleibt).<\/p>\n\n\n\n<p>Sergej hat sich inzwischen so sehr an das Ger\u00e4usch von Granaten gew\u00f6hnt, dass er oft nur erleichtert l\u00e4chelt, wenn er w\u00e4hrend Spazierg\u00e4ngen mit seinem Hund Explosionen h\u00f6rt. Er kann jetzt sehr gut einsch\u00e4tzen, ob sich die Explosionen in einer sicheren Entfernung befinden. Diese Art von Stoizismus hat zusammen mit der anhaltenden Unterst\u00fctzung durch Arbeitgeber aus Westeuropa und anderen L\u00e4ndern daf\u00fcr gesorgt, dass die ukrainischen Exporte von IT-Dienstleistungen weiterhin stabil bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ukrainische IT-Spezialisten wie Dmitriy M., Ivan und Sergey waren bereits vor dem Krieg sehr wichtig f\u00fcr die lokale Wirtschaft. Heute sind sie absolut existenziell. Ohne ihr Einkommen, das sie oft gro\u00dfz\u00fcgig mit Verwandten teilen, die unter den derzeitigen Bedingungen keine alternativen Einkommensquellen haben, w\u00e4re die bereits schwer angeschlagene ukrainische Wirtschaft in einer noch schlechteren Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Westliche Unternehmen, die auf ihre Expertise angewiesen sind, h\u00e4tten zudem gro\u00dfe Schwierigkeiten, die L\u00fccke auf dem internationalen Arbeitsmarkt f\u00fcr IT-Fachkr\u00e4fte zu schlie\u00dfen, da dort ohnehin ein gro\u00dfer Personalmangel herrscht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weitere Informationen unter: kruschecompany.com\/de<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-1024x476.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2503\" width=\"620\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-1024x476.jpg 1024w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-300x139.jpg 300w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-768x357.jpg 768w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-1536x714.jpg 1536w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Flag-2048x952.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption>Trotz vieler Herausforderungen, zu denen auch eine fehlende Stromversorgung oder die st\u00e4ndigen Luftschutzsirenen geh\u00f6ren, hat sich der ukrainische IT-Dienstleistungssektor als bemerkenswert widerstandsf\u00e4hig erwiesen \u2013 sehr&nbsp; zur Erleichterung der digitalen Wirtschaft des Westens.<br>Quelle: Krusche &amp; Company GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Widerstand per Laptop: Wie Softwareentwickler und IT-Spezialisten die ukrainische Wirtschaft inmitten eines Krieges am Laufen halten Trotz vieler Herausforderungen, zu denen auch eine fehlende Stromversorgung oder die st\u00e4ndigen Luftschutzsirenen geh\u00f6ren, hat sich der ukrainische IT-Dienstleistungssektor als bemerkenswert widerstandsf\u00e4hig erwiesen \u2013 sehr&nbsp; zur Erleichterung der digitalen Wirtschaft des Westens. 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