{"id":2528,"date":"2022-08-11T16:22:35","date_gmt":"2022-08-11T16:22:35","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2528"},"modified":"2022-08-11T16:22:35","modified_gmt":"2022-08-11T16:22:35","slug":"kuba-kann-nicht-mehr-und-die-welt-weiss-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=2528","title":{"rendered":"Kuba kann nicht mehr und die Welt wei\u00df das"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kuba kann nicht mehr und die Welt wei\u00df das<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p><strong><em>Jorge \u00c1ngel P\u00e9rez<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alexander wird nicht mehr, wie er dachte, auf dem alten Berliner Platz spazieren gehen k\u00f6nnen, der denselben Namen wie er tr\u00e4gt. Er wird nicht mehr, wie geplant, die Weite des Alexanderplatzes bewundern k\u00f6nnen. Er wird dort keine Fotos schie\u00dfen, die er bei seiner R\u00fcckkehr in sein kleines Dorf der Provinz Camag\u00fcey zeigen wollte. Alexander wird auch nicht in die N\u00e4he der \u00dcberreste der Berliner Mauer kommen, von der noch ein kleiner Teil steht, die aber die Stadt nicht mehr in zwei H\u00e4lften teilt. Trotz seiner gro\u00dfen Begeisterung und seines Wunsches, die Reise anzutreten, wird er das ber\u00fchmte Brandenburger Tor nicht durchqueren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann aus der kubanischen Provinz wird weder mit der Berliner U-Bahn fahren k\u00f6nnen, noch wird er versuchen zu erraten, wor\u00fcber die Fahrg\u00e4ste der U-Bahn Babylons sich so unterhalten. Er wird dort keine Gespr\u00e4che auf Deutsch, Franz\u00f6sisch, Englisch, Chinesisch, Arabisch, Portugiesisch, Russisch, Italienisch oder T\u00fcrkisch h\u00f6ren. Dieser junge Mann, Ehemann, Familienvater, Christ und sogar schon Gro\u00dfvater trotz seiner Jugend, wird in kein Flugzeug steigen, das ihn nach Berlin bringen wird. Er wird in der b\u00e4uerlichen Provinz Camag\u00fcey bleiben, obwohl er entschlossen ist, auf den alten Kontinent zu reisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alexander wird nicht an der Gedenkfeier f\u00fcr seinen toten Onkel teilnehmen, der vor einigen Jahren in Deutschland von Ausl\u00e4nder Hassern aus dem Teil Deutschlands ermordet wurde, der sich demokratisch nannte, obwohl er es nicht war. Er wird es nicht schaffen, sich die Schule anzusehen, die der Bruder seiner Mutter besuchte, geschweige denn eine Rede an der Gedenkst\u00e4tte zu halten, die eine Gruppe von Deutschen zur Erinnerung an das Verbrechen errichtet hat. Alexander wird diese Gedenkst\u00e4tte nicht einweihen, wie es die Veranstalter beabsichtigt hatten. Er wird auch nicht, obwohl er es sicher gerne m\u00f6chte, mit dem christlichen Protestantismus in dem Land in Kontakt kommen, in dem die evangelischen Kirchen, die den Ablasshandel ablehnen, entstanden sind. Wie so viele Deutsche glaubt er nicht an die Autorit\u00e4t des Papstes und ist der Heiligen der katholischen Kirche nicht zugetan. Alexander wird die Reise in das Land Luthers und der Reformation nicht antreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wird in in der kubanischen Provinz bleiben, trotz der Bem\u00fchungen der Veranstalter. Denn die deutsche Botschaft in Havanna hat seinen Visumsantrag abgelehnt. Als Grund wurde angegeben, dass er nicht glaubhaft darlegen k\u00f6nne, wieder nach Kuba zur\u00fcckzukehren. Die deutschen Diplomaten in Havanna hielten in f\u00fcr einen potentiellen Auswanderer. Obwohl die Veranstalter ihnen in der \u201eVerpflichtungserkl\u00e4rung\u201c den Zweck der Reise sehr deutlich mitgeteilt hatten. Sie hatten auch darauf hingewiesen, dass sie alle Kosten der Reise und auch die des Aufenthalts \u00fcbernehmen w\u00fcrden und dass er dem deutschen Staat nicht zur Last fallen w\u00fcrde. Das alles war vergeblich. Trotz alledem w\u00fcrde Alexander nicht die Spuren Luthers und Calvins sehen k\u00f6nnen, obwohl er das sehr gerne w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sind es gar nicht die deutschen Beh\u00f6rden, die daran schuld sind. Deren Misstrauen und Verdachte gegen\u00fcber Kubanern haben n\u00e4mlich ihre Gr\u00fcnde. Es ist bekannt, dass es viele Kubaner gibt, die eine Reise ohne Wiederkehr an einen Ort machen wollen, der weit weg ist von dieser kleinen Insel mit ihrer teuflischen Regierung. Schuld ist die Regierung, die noch schlimmer ist als die der spartanischen Polis. Schuld ist die Unterdr\u00fcckung und der Hunger. Schuld sind die von der Regierung beschlossenen Strafen. Schuld sind die alten Gener\u00e4le die Kuba regieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schuld daran ist die ungewisse Zukunft der Menschen auf der Insel. Schuld ist auch die Gewissheit der Regierungen der Welt, die davon ausgehen, dass die Kommunisten ihre Gegner, aber auch ihre Verbrecher, den ganzen kriminellen P\u00f6bel loswerden wollen, den sie zuvor selbst produziert haben. Alexander nimmt nicht am Gedenken f\u00fcr seinen toten Onkel teil. Wenn das nicht die Schuld der Deutschen ist, wessen Schuld ist es dann?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist die Schuld der Kommunisten, und es ist die Schuld von Fidel Castro und von seinem Bruder Raul. Der f\u00fcrchterlichen Milit\u00e4rdiktatur und des Wissens der ausl\u00e4ndischen Regierungen, dass die Diktatur sich vieler Dinge entledigt, die sie als st\u00f6rend empfindet. Das sind vor allem die Dissidenten, aber sie wird auch gerne Verbrecher und M\u00f6rder los um sie anderen aufzuhalsen. Kuba mit seiner ewigen Diktatur, entledigt sich aber auch den vielen guten Menschen, die sich der Diktatur nicht beugen wollen. Die Beweise liegen auf der Hand: Wie viele Kubaner haben in den letzten zwei Jahren das Land verlassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele von denen, die vor einem Jahr in den Stra\u00dfen Kubas demonstriert haben, mussten nach dem 11. Juli Kuba verlassen? Wie viel Ruhe hat sich das Regime verschafft in dem es diese Unzufriedenen losgeworden ist? Viele von denen die nicht ins Exil gegangen sind, sitzen heute in den Gef\u00e4ngnissen. Diese Gef\u00e4ngnisse sind auch, zumindest f\u00fcr die Regierung, eine Art von Exil. F\u00fcr die Gefangenen sind sie ein Exil welches noch trauriger, noch verheerender und vielleicht noch unwiderruflicher ist, als das der Auswanderung. Alexander, der Camag\u00fceyaner, wird nicht nach Deutschland reisen, um seinem toten Onkel zu gedenken. Ich bestehe darauf, dass es die Schuld des Regimes ist, das seine Kinder vor die Wahl stellt, entweder eine lange Haftstrafe zu verb\u00fc\u00dfen oder ins Exil zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zukunft wird es viele geben die kein Visum erhalten werden. Das Regime wird dagegen jede Ausreise beklatschen. Denn jeder Auswanderer ist ein Demonstrant weniger am 11 Juli, am 20. November am 3. Februar, am 23. Dezember, oder an jedem anderen beliebigen Tag des Jahres. Die Diktatur tr\u00e4umt von einen neuen Mariel. Damals, 1980, verlie\u00dfen Hunderttausende Unzufriedene in wenigen Tagen das Land. Das Regime nutzte die Gelegenheit, um seine Gef\u00e4ngnisse und die Psychiatrien zu leeren, um dem Erzfeind im Norden zu schaden. Die Regierung selbst k\u00f6nnte einen weiteren &#8222;Maleconazo&#8220; und massive und gef\u00e4hrliche Grenz\u00fcbertritte durch Mittelamerika provozieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die massenhafte Auswanderung verringert den Druck im Kessel und bringt den Eigent\u00fcmern der Insel auf lange Sicht harte Dollars ein. Denn die meisten Auslandskubaner schicken regelm\u00e4\u00dfig Geld aus dem \u201eunmenschlichen Kapitalismus\u201c, um die Daheimgebliebenen, die im \u201emenschlichen Sozialismus\u201c kaum was zu Essen haben, zu ern\u00e4hren. Dieses Geld, immer in harter W\u00e4hrung, landet auf Konten bei staatlichen Banken und wird in staatlichen L\u00e4den ausgegeben. Diese L\u00e4den und Banken geh\u00f6ren denselben Menschen, denen die Insel geh\u00f6rt. Jeder Auswanderer, egal ob aufm\u00fcpfiger Oppositioneller oder stiller Unpolitischer, kann f\u00fcr das Regime also sehr profitabel sein. Aus diesem Grund konnte Alexander nicht am Gedenken f\u00fcr seinen toten Onkel teilnehmen. Und dass obwohl die Herren der Insel es sehr begr\u00fc\u00dft h\u00e4tten, dass ein weiterer Mann gegangen w\u00e4re. Dazu noch ein wahrscheinlicher Gegner. Ein Mann weniger den sie ern\u00e4hren und verfolgen m\u00fcssen, der sich stattdessen in eine Devisenquelle verwandelt, an der sie sich bereichern k\u00f6nnen. Die Schuld daran liegt sicherlich nicht bei den Deutschen. Es ist das kubanische Regime, die Kinder Kubas schlecht behandelt und ihnen die Lebensgrundlage raubt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"500\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2284\" srcset=\"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto.jpg 750w, https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption>Der kubanische Schriftsteller Jorge Angel Perez auf dem Dach seiner Wohnung in Havanna.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuba kann nicht mehr und die Welt wei\u00df das Jorge \u00c1ngel P\u00e9rez Alexander wird nicht mehr, wie er dachte, auf dem alten Berliner Platz spazieren gehen k\u00f6nnen, der denselben Namen wie er tr\u00e4gt. 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