{"id":3284,"date":"2023-12-21T16:51:15","date_gmt":"2023-12-21T16:51:15","guid":{"rendered":"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=3284"},"modified":"2023-12-21T16:55:20","modified_gmt":"2023-12-21T16:55:20","slug":"die-entscheidenden-jahre-fuer-die-ddr-forschung-sind-genau-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/?p=3284","title":{"rendered":"Die entscheidenden Jahre f\u00fcr die DDR-Forschung sind genau jetzt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die entscheidenden Jahre f\u00fcr die DDR-Forschung sind genau jetzt<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"cc-m-header-14949650623\">Die wissenschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur braucht eine langfristige Perspektive. Sie zu schaffen, ist Aufgabe der Bundesforschungsministerin. Ein Gastbeitrag von Lars Rohwer.<\/h4>\n\n\n\n<p>IMMER WIEDER treffe ich in meinem beruflichen und privaten Umfeld auf Menschen, die in der DDR aufgrund von Fluchtversuchen, Bespitzelung oder Auflehnung gegen das System Leid und Unrecht erfahren haben. Die Folgen wirken bis heute nach. Die DDR war ein Unrechtsstaat. Als Mitglied des Ausschusses f\u00fcr Bildung, Forschung und Technikfolgenabsch\u00e4tzung ist es mir daher ein besonderes Anliegen, dass die Geschehnisse und Taten dieses Unrechtsstaats weiter erforscht und bekannt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>33 Jahre nach der friedlichen Revolution stehen wir bundesweit, aber auch in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern noch am Anfang der Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Wir brauchen diese Aufarbeitung aber, um die gesellschaftspolitischen Folgewirkungen verstehen und die Vermittlungsangebote verbessern zu k\u00f6nnen. Die Hochphase der DDR-Forschung ist genau jetzt. Wir m\u00fcssen die Zeitzeugenberichte mit Psychologen, Soziologen und Historikern f\u00fcr die Forschung begleiten. Jetzt k\u00f6nnen wir noch erfolgreich Aufarbeitung betreiben. Diese Zeitzeugenberichte bergen ein unglaubliches Potenzial an Erkenntnisgewinn \u00fcber die Interaktion von Herrschaft und Gesellschaft. Die Geschichte der DDR ist bei weitem nicht vollst\u00e4ndig erforscht und auch nicht ausgeforscht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der vergangenen Wahlperiode hat die damalige Gro\u00dfe Koalition \u00fcber die &#8222;Richtlinie zur F\u00f6rderung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der DDR-Forschung im Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften&#8220; von 2017 bis 2025 die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht vorangetrieben. Diese F\u00f6rderung hatte das Ziel, eine st\u00e4rkere strukturelle Verankerung der nur schwach entwickelten DDR-Forschung in der deutschen Hochschul- und Forschungslandschaft zu etablieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es in den vergangenen Jahren gelungen ist, das Wissen \u00fcber die DDR grundlegend zu erweitern und wichtige Impulse f\u00fcr die DDR-Forschung in Universit\u00e4ten, au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungseinrichtungen und Gedenkst\u00e4tten zu geben, so konnte das Ziel der Verstetigung der DDR-Forschung in der Wissenschaft und Forschung bisher nicht erreicht werden. Der entscheidende Faktor ist die fehlende Kontinuit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/botschafter-menschenrechte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/image-1024x673.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3285\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Lars Rohwer<\/strong>, Jahrgang 1972, ist in Dresden geboren und aufgewachsen. Seit 2021 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und zust\u00e4ndiger Berichterstatter der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion f\u00fcr das Thema DDR-Forschung.&nbsp;Foto:&nbsp;Frank Gr\u00e4tz.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der Erforschung dieser Unrechtssysteme werden die Opfer dem Vergessen entrissen<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00f6rderung zur Richtlinie teilte sich in zwei F\u00f6rderphasen. Aufgrund diverser Schwierigkeiten im BMBF kam es in dieser Legislaturperiode zu Verz\u00f6gerungen in den Bewilligungen und damit zu&nbsp;F\u00f6rderl\u00fccken zwischen den beiden F\u00f6rderphasen. Die Anzahl der Forschungsverb\u00fcnde hat sich zwischen der ersten und zweiten F\u00f6rderphase von 14 auf sieben halbiert. Die F\u00f6rdergelder sind von 40,8 auf 8,6 Millionen Euro geschrumpft. Dies hat die Bundesforschungsministerin zu verantworten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist h\u00f6chste Zeit zu handeln. Bettina Stark-Watzinger darf die DDR-Forschung nicht im Stich lassen. Es bedarf einer weiteren Richtlinie zur F\u00f6rderung von Forschungsvorhaben nach dem Ende der aktuellen F\u00f6rderphase von&nbsp;2026 an. Zu meiner gro\u00dfen Freude hat die Bundesforschungsministerin am 20. September 2023 genau eine solche angek\u00fcndigt. Endlich. Doch nun muss sie ihren Worten sichtbare Taten folgen lassen. Es braucht Runde Tische und Verst\u00e4ndigungsrunden mit hoher Verbindlichkeit. Die Ministerin muss augenblicklich in die Planungen gehen und dies auch an die Forschungsverb\u00fcnde kommunizieren. Diese stehen derzeit noch im Regen und wissen nicht, ob und wie es f\u00fcr sie nach 2025 weitergeht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der weiteren intensiven Erforschung der SED-Diktatur braucht es eine Perspektivenerweiterung, neue Fragestellungen und andere methodisch-theoretische Zug\u00e4nge in der DDR-Forschung, die neue Erkenntnisse bringen. Wir m\u00fcssen die Wirkmechanismen des Kommunismus in G\u00e4nze erforschen. Trotz zahlreicher verdienstvoller Forschungen gibt es weiter Themen, die der Erforschung harren. Es bedarf der Fortf\u00fchrung und Erweiterung der Forschung und der Debatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Vermittlung von Wissen \u00fcber die DDR steht noch am Anfang und damit die Verankerung der Themen in der universit\u00e4ren Lehre. Die Studierenden von heute sind unsere Lehrerinnen und Lehrer von morgen. Wir m\u00fcssen sie fit machen f\u00fcr die Vermittlung dieser Themen in den Schulen. Nur so erm\u00f6glichen wir der n\u00e4chsten Generation ein Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Folgen und Auswirkungen des Unrechtsstaates.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der realsozialistischen Herrschaft bleiben von besonderer Verantwortung. Es ist eine gesamtdeutsche Aufgabe, die zweite Diktatur auf deutschem Boden im nationalen Ged\u00e4chtnis nachhaltig zu verankern. Mit der Erforschung der DDR und der Kommunismus-Geschichte werden auch die Opfer dieser Unrechtssysteme dem Vergessen entrissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die entscheidenden Jahre f\u00fcr die DDR-Forschung sind genau jetzt Die wissenschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur braucht eine langfristige Perspektive. Sie zu schaffen, ist Aufgabe der Bundesforschungsministerin. Ein Gastbeitrag von Lars Rohwer. 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