Gebete zwischen Ruinen

Genehmigung zum Wiederaufbau der ausgebrannten St.-Georgs-Kirche verweigert

Ein Jahr nach dem großen Kirchenbrand in der oberägyptischen Stadt Qift fand dort trotz der noch immer sichtbaren Spuren eine Messe zum „Freitag am Ende der Fastenzeit“ eine Messe in Ruinen statt. Der Brand im Jahr 2025 führte zu schweren materiellen Verlusten, darunter die vollständige Zerstörung des Kircheninventars und der Einsturz des Daches. Die St.-Georgs-Kirche in Qift gehört zum ägyptischen Kulturerbe. Sie gilt als bedeutendes spirituelles und historisches Wahrzeichen in Oberägypten und genießt als eines der ältesten Bauwerke der Region sowohl bei Kopten als auch bei Muslimen in Qena einen besonderen Stellenwert. Dennoch verweigert der Stadtrat die Genehmigung zum Wiederaufbau mit der Begründung, der Standort sei ungeeignet.

Der Gottesdienst zum Fastenbrechen mit einer großen Zahl von Gläubigen wurde von Bischof Anba Scharubim, Metropolit von Qena, geleitet.  Die koptisch-orthodoxe Kirche des großen Märtyrers St. Georg in Qift versorgt mehr als 10.000 Kopten in der Stadt. Diese Entscheidung bringt Tausende von Kopten in eine reale Notlage, zumal diese Kirche die Einzige ist, die die Region versorgt. Dadurch wird ihnen die Ausübung ihrer Religion auf normale und sichere Weise verwehrt. Zahlreiche Gläubige bekräftigten gegenüber „Copts United“, dass sie trotz der Zerstörungen weiterhin am Besuch der einigen verbliebenen Kirche festhalten. Sie fordern, dass die Gottesdienste am ursprünglichen Ort fortgesetzt werden, obwohl der Wiederaufbau noch immer nicht genehmigt ist.

Klada: Gleichberechtigte Staatsbürgerschaft ist ohne gleichberechtigte Religionsausübung eine gefährliche Illusion

Die St-Georgs-Kirche war eine von sieben Kirchen in der Stadt – alle anderen sind bereits verschwunden. Die Gemeinde wartet weiterhin auf die notwendigen Genehmigungen, um mit dem Wiederaufbau der durch den Brand beschädigten Kirche zu beginnen. Die Aussichten haben sich verschlechtert, nachdem der Stadtrat von Qift die Genehmigung mit der Begründung abgelehnt hat, der Standort sei ungeeignet. Die Gemeinde weist darauf hin, dass die Kirche eine Fläche von 1.000 Quadratmetern umfasst und von drei Seiten an Straßen begrenzt sei. Es gebe keinen alternativen Standort außer nicht bebaubaren landwirtschaftlichen Flächen oder einer Verlagerung in die Wüste. Auch dies sei inakzeptabel, da dies Tausende von Kopten zwingen würde, täglich mindestens 25 Kilometer zurückzulegen, um zu beten.

Die St. Georgs-Kirche gehört zu den ältesten Stätten der Stadt. Qift, auch Koptos genannt, liegt am östlichen Ufer des Nils und hat besondere archäologische und geschichtliche Bedeutung. Knapp die Hälfte der 22.000 Einwohner sind Kopten. Rund um die Kirche lebt im Ort vor allem die koptische Bevölkerung. Wie Copts United berichtet, die hat die koptische Gemeinde versucht, den Gouverneur von Qena direkt anzusprechen, um die Krise seiner Hilfe zu lösen, doch die Akte sei wiederholt an den Stadtrat zurückverwiesen worden. Infolgedessen sind die Kopten gezwungen, unter schwierigen Wetterbedingungen – Regen und intensiver Hitze – am Ort der ausgebrannten Kirche zu beten, wobei ihnen lediglich ein einfaches Stoffdach minimalen Schutz bietet. Die Gemeinde hofft nun auf ein Eingreifen des Staatspräsidenten, um den Wiederaufbau der Kirche zu ermöglichen. Bereits mehrere Jahre vor dem Kirchenbrand war ein Beschluss zur Renovierung und zum Wiederaufbau ergangen, dessen Umsetzung jedoch verhindert wurde.

Medhat Klada, Präsident der koptischen Menschenrechtsorganisation EUCHOR fordert die Verantwortlichen von Qift auf, ihre Unnachgiebigkeit aufzugeben und den Wiederaufbau der Kirche zulassen. Wenn dies nicht endlich geschieht, bleiben alle  Worte und Feiertagsgrüße an die Kopten Symbolpolitik. Gleichberechtigte Staatsbürgerschaft ist ohne gleichberechtigte Religionsausübung eine gefährliche Illusion, so Klada.

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