
Medhat Klada zum Fall Silvana auf der Pressekonferenz am 27. Mai 2026 in Wien
Ich spreche AFD international meinen aufrichtigen Dank dafür aus, dass sie diese Konferenz ermöglichen und uns heute die Gelegenheit geben, das Fehlen von Menschenrechten aufzuzeigen, die Verfolgung koptischer Frauen und ihre Misshandlung zu dokumentieren sowie die Diskriminierung der Kopten allgemein zu erörtern.
Der französische Philosoph Montesquieu sagte einmal: „Das Gesetz sollte wie der Tod sein — es verschont niemanden.“ Doch die Gerechtigkeit hat in Staaten mit muslimischer Mehrheit ihre Neutralität verloren und wird nicht mehr als ein einheitlicher Maßstab der Gleichheit angewendet. Vielmehr ist sie zu einem gestörten System geworden, das sich mitunter von nicht-rechtlichen Erwägungen beeinflussen lässt. Dies erzeugt den Eindruck, dass die Herrschaft des Gesetzes nicht mehr absolut ist, dass seine Anwendung von Fall zu Fall variieren kann und dass das Gesetz beiseitegelassen wird, während die Religion als Grundlage für Urteile dient.
Silvana Atef Fanous stellt ein lebendiges Zeugnis für den Verlust der Gerechtigkeit, für systematische Verfolgung und religiöse Selektion dar.
Silvana Atef Fanous ist ein minderjähriges koptisches Mädchen, geboren am 7. März 2008, im Zentrum Itsa im Gouvernement Fayyum, als Tochter koptischer Eltern. Sie hat eine ältere Schwester namens Demiana (19 Jahre), einen Zwillingsbruder namens Kyrillos, der so wie Silvana an geistiger Entwicklungsverzögerung leidet, sowie eine jüngere Schwester namens Viola (5 Jahre).
Sie stammt aus einer einfachen und armen Familie, der Vater arbeitet bei der Stadtreinigung, die Mutter in einer Fabrik. Die wahre Stärke er Familie liegt in ihrer tiefen Bindung an ihren Glauben und ihre christlichen Werte.
Silvana ist zum Zeitpunkt ihrer Entführung siebzehn Jahre alt, jedoch weisen staatliche medizinische Befunde darauf hin, dass sie an geistiger Entwicklungsverzögerung, Hyperaktivität, eingeschränkter Wahrnehmung und verzögertem Verständnis leidet und dass ihr geistiges Alter zehn Jahre nicht überschreitet. Das bedeutet, dass sie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens rechtlich als Kind anzusehen war.
Am 28. Oktober 2025 verließ Silvana gemeinsam mit ihrer Schwester Demiana das Haus. Zwischen ihnen kam es zu einem familiären Streit, woraufhin sie sie verließ und allein zu der Fabrik ging, in der ihre Mutter Mariam Youssef Assad arbeitet, um dort auf die Mutter nach Feierabend zu warten.
Dort wurde sie von Saher Mohamed Ragab entführt, der sie anschließend in das Zentrum Tamia im Gouvernement Fayyum brachte. Der Vater des Entführers arbeitet als Polizeibeamter im Innenministerium.
Die Familie suchte seit ihrem Verschwinden am 28. Oktober 2025 nach Silvana, jedoch ohne Ergebnis. Sie versuchte, eine Vermisstenanzeige zu erstatten, doch die Polizeistation verweigerte dies mit dem Hinweis, dass laut Gesetz eine Anzeige erst 24 Stunden nach dem Verschwinden möglich sei.
Am folgenden Tag, dem 29. Oktober, wurde eine Anzeige bei der Polizeistation Hadayek Oktober IV im Gouvernement Giza erstattet. Die Verfahren wurden zunächst nicht vollständig durchgeführt, dann wurde am darauffolgenden Tag eine Vermisstenanzeige mit der Nummer 4266 administrativ registriert.
Am 1. November erhielt die Familie einen Anruf von der Polizeistation Tamia, dass das Mädchen gefunden worden sei. Die Mutter wurde aufgefordert zu erscheinen.
Die Familie begab sich nach Fayyum, wo der Mutter von den Beamten der Polizeistation Tamia mitgeteilt wurde, dass ihre Tochter zum Islam konvertieren wolle, in Anwesenheit der Sicherheitsführungskräfte Oberst Mohamed Gamal Zidan (Leiter der Polizeistation Tamia) und Oberstleutnant Mohamed Ashry (Leiter der Ermittlungen). Silvana erschien verschleiert mit Niqab.
Anschließend übergab der Staatsanwalt Tarek Abu El Leil Silvana an den Offizier Mohamed Ashry Atef, der sie wiederum dem Entführer Saher Mohamed Ragab übergab!
Dies stellt eine Missachtung des ägyptischen Rechts sowie der Bestimmungen des Ministeriums für soziale Solidarität und der Kinderrechte dar. Das bedeutet, dass die minderjährige, geistig behinderte Silvana ihrem Vergewaltiger Saher Mohamed Ragab übergeben wurde – also der Person, die beschuldigt wird, sie entführt zu haben.
Danach leitete die Familie alle rechtlichen Schritte ein und wandte sich an alle offiziellen Stellen, um ihre Tochter zurückzuerlangen:
Sie wandte sich an den Generalstaatsanwalt, an das Ministerium für soziale Solidarität, an das Zentrum für Mutter- und Kinderschutz, an die Präsidentschaft der Republik durch Appelle, an die Kirche, die jedoch aus Angst schwieg.
Alle Versuche wurden abgewiesen, und es gelang nicht, das Kind zurückzubekommen.
Zur weiteren Verdeutlichung: Die Mutter, der Vater und Familienangehörige begaben sich in die Nähe des Justizgebäudes, um beim Generalstaatsanwalt Anzeige zu erstatten. Dort wurden sie festgenommen, schwer misshandelt und gefoltert. Dies umfasste das Ausdrücken von Zigaretten auf den Körpern der Männer (Vater, Onkel und Cousins) sowie Elektroschocks. Es existieren Bilder, die die Spuren dokumentieren.
Wir stehen vor dem Fall eines minderjährigen koptischen Mädchens mit geistiger Behinderung und Entwicklungsverzögerung, das sich in einer Lage befindet, in der es dringend Schutz und Fürsorge benötigt. Dennoch hat ihre Familie die Möglichkeit verloren, sie zu erreichen oder zurückzuholen, obwohl das ägyptische Gesetz ihr gemäß seinen Bestimmungen dieses Recht einräumt und die Gesetze des Ministeriums für soziale Solidarität sowie die Kinderschutzgesetze der Mutter das Recht geben, ihre Tochter in Empfang zu nehmen.
Doch das Gesetz wird in Ägypten entsprechend religiöser Selektion angewendet! Es wird mit äußerster Härte angewendet, wenn der Beschuldigte Christ ist, und zeigt Nachsicht und Milde, wenn der Beschuldigte Muslim ist. Gerichtsurteile werden verhindert, stattdessen erfolgen Versöhnungen durch sogenannte traditionelle Sitzungen („außerrechtlicher Vergleich“ – „erzwungener Vergleich“).
Zur weiteren Klarstellung: Nach dem Gesetz müsste der Entführer und Vergewaltiger Saher Mohamed Ragab festgenommen werden. In der Realität jedoch wurde er „belohnt“, indem man ihm das Mädchen übergab, das er entführt und vergewaltigt hat – durch die Hand eines Polizeibeamten, des Leiters der Ermittlungen!!
Artikel 267 des ägyptischen Strafgesetzbuchs stellt den Geschlechtsverkehr mit einer Frau ohne ihre Zustimmung unter Strafe und sieht eine verschärfte Freiheitsstrafe vor, die erhöht wird, wenn das Opfer minderjährig ist oder Zwang, Ausnutzung oder Autorität vorliegt.
Artikel 290 des ägyptischen Strafgesetzbuches kriminalisiert die Entführung einer Frau durch Gewalt, Täuschung oder Zwang und sieht die Todesstrafe vor, wenn die Entführung mit Geschlechtsverkehr oder sexuellem Übergriff verbunden ist oder wenn das Opfer minderjährig ist.
Dennoch wirft die dargestellte Realität schwerwiegende Fragen auf und legt eine ungerechte und ungleiche Anwendung des Gesetzes offen sowie das Fehlen des Prinzips der Gleichheit vor dem Gesetz ohne Diskriminierung oder Selektivität. Das Gesetz wird entsprechend der Religion des Opfers und der Religion des Täters angewendet.
Der Fall Silvana ist nicht nur eine rechtliche Angelegenheit, sondern eine menschliche Tragödie einer Mutter, der ihre minderjährige, geistig behinderte Tochter genommen wird – in einem Moment, in dem das Gesetz der letzte Schutz hätte sein sollen und nicht eine Quelle von Angst oder Unfähigkeit zur Gerechtigkeit.
Wir müssen solche Verbrechen und alle Verstöße aufdecken und sicherstellen, dass Gerechtigkeit in jedem Staat auf vollständiger Gleichheit beruht, ohne Ausnahme oder Diskriminierung, und dass das Gesetz die höchste Referenz bleibt, die alle schützt – ohne Ausnahme. Basis muss das Gesetz sein und nicht die Religion als Grundlage und Maßstab für die Anwendung des Gesetzes.
Ich schließe hier mit meinem aufrichtigen Dank und meiner Wertschätzung als koptisch-orthodoxer Christ: „Denn ihr seid die Stimme der Wahrheit, die Stimme der Gerechtigkeit und die Stimme derer, die keine Stimme haben. Durch Euch geht es der Welt gut, und durch Euer Wissen gibt es Hoffnung auf ein besseres Morgen.“
Martin Luther King Jr. sagte: „Die Tragödie besteht nicht nur in der Grausamkeit der Bösen, sondern im Schweigen der Guten.“
Wien, 27. Mai 2026

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